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Auch
die Bachforelle - Bewohnerin
sommerkalter Mittelgebirgsgewässer - kann sich nur noch
in wenigen Bereichen selbst
reproduzieren |
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Aufgrund
der Verschließung des Lückensystemes durch Sand aus der
Berghangdrainage, Straßenabläufen, Klär- und Überlaufbecken
findet die Bachforelle in den meisten Flüssen und Bächen kaum
oder nur noch sehr selten geeignete Laichgründe.
Ohne permanenten jährlich
wiederkehrenden Besatz aus Zuchtanstalten
wäre auch die Bachforelle in vielen typischen Gewässern längst
ausgestorben. Auch die enorme Verbesserung der Wasserqualität in
den letzten Jahrzehnten aufgrund immer besserer Reinigungserfolge
konnte hieran nichts ändern, da die voraus genannten Ursachen
für den Verschluss des Lückensystemes auch dann unverändert
bleiben ,wenn der Reinigungsgrad der Kläranlagen bei
Normalwasserführung selbst Trinkwasserqualität zuließe.
Erst die Aufgabe aller
menschlichen Siedlungen und der Rückbau von Wegen und Straßen
könnte die Ursachen
für den Verschluss des Lückensystemes aufheben. Dies setzt aber
voraus, dass der Mensch
im Einzugsgebiet der Flüsse und Bäche eliminiert und die
Kulturlandschaft aufgehoben wird..
Wo unsere heimische
Bachforelle nicht mehr laichen kann hat der Lachs zweimal keine
Chancen, sich erfolgreich zu reproduzieren.
Dort, wo das Lückensystem
offen ist und einen erfolgreichen Laichvorgang ermöglichen
könnte werden
die Laichgelege/wird die Brut von den immer
steiler ansteigenden Hochwässern abgeschwemmt.
Oftmals können die
betreffenden Vorkommen nur durch ständigen, mitunter recht
aufwändigen Besatz erhalten werden, weil keine Reproduktion
erfolgt oder viele Bachforellen abwandern.
Zitat aus "Fische in Baden-Württemberg", Neueste
Ausgabe, Seite 50
Der Besatz mit standardisierten
genfremden Zuchtbachforellen wirkt sich
langfristig ebenfalls negativ auf den Erhalt der einheimischen
Populationen aus, die sich auf die örtlichen Verhältnisse in
Jahrhunderten eingestellt haben. Nur ganz wenige eingesetzte
Zuchtforellen schaffen es z.B. in den Hochlagen des Schwarzwaldes,
die winterliche Hungerperiode, in die gleichzeitig auch noch die
Laichzeit fällt bis zum Frühjahr zu überstehen. Die meisten
Fische wandern ab, ein anderer Teil wird so geschwächt, dass er
eingeht oder Räubern zum Opfer fällt.
Dort, wo das Lückensystem
offen ist und einen erfolgreichen Laichvorgang ermöglichen
könnte werden die Laichgelege/wird die Brut von den immer
steiler ansteigenden Hochwässern abgeschwemmt.
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Bild
21
Typisches Bachforellengewässer Buhlbach,
Zulauf zur Rechtmurg
Erkennbar sind die Reste
von 3 hölzernen Querbauwerken,
ursprünglich als Erosionsbremse
eingebaut.
Die fortgeschrittene Eintiefung
durch erodierende Hochwässer ist
augenfällig. Auf Dauer wird, um
die weitere Eintiefung zu
verhindern, nichts anderes übrig
bleiben, als die seit der
menschlichen Besiedlung des Schwarzwaldes
eingebauten erosionsbremsenden Querbauwerke wieder herzustellen.
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Dass
diese Querbauwerke gleichzeitig hervorragende Rückzugshabitate
und Unterstände für Bachforellen abgeben, bewirkt deren
wertvollen Doppeleffekt.
Diese Querbauwerke, deren
Reste auf Bild 21 noch erkennbar sind, haben weit über 100 Jahre
die Erosion gebremst und den Forellen Deckung, Unterstand und
Rückzugsgebiete geboten.
Zwei Herbst- und
Winterhochwässer 2001/2002 haben diese wunderbaren Habitate
vernichtet.
Auf dem Bild ist erkennbar,
wie die Ufer rechts und links durch die immer steiler ansteigenden
Hochwässer der letzten Jahre abgeschliffen wurden. Obwohl der
Oberlauf des Gewässers auch oberhalb der menschlichen Besiedlung
verläuft, konnte bei den jährlichen elektrischen Befischungen
seit 1997 keine natürliche Reproduktion der Bachforelle mehr
festgestellt werden.
Der Bestand wurde nur durch
regelmäßigen Brut- und Setzlingsbestand aufrecht erhalten.
Dort, wo die Querbauwerke
durch das Hochwasser samt Ufer abrasiert wurden gibt es auch keine
Bachforellen mehr. Diese Bachbezirke sind zu seicht, zu
schnellströmend, so dass die Bachforelle keinen Unterstand und
damit auch keinen Lebensraum mehr findet.
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Bild 22
Bachforelle
von ca. 40 m Länge
Dort,
wo das Hochwasser noch Reste des alten hölzernen Querbauwerkes
stehen gelassen hat, haben prächtige Bachforellen ihren
Unterstand
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Was
ist zu tun um Bachforellenbestände wieder durch eigene
Reproduktion anstelle des jährlichen Brut- und Setzlingsbesatzes
zu erhalten?
Die Neuanlage von seichten
Um- und Ausleitungsgerinnen im Wiesen-/lichten Waldbereich
oberhalb der Besiedelung erbrachte im Sommer 2003 endlich den
angestrebten Erfolg
Die seichten Ausleitungsgerinne müssen am
Einlauf so verengt werden, dass die Hochwässer 1:100
und mehr weitgehend ferngehalten werden. Hochwasserführungen von
1:10 bis 1:20 sind hingegen
schadlos.
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Bild
23
Das künstlich angelegte Ausleitungsgerinne ist nach 2 Jahren
voll eingewachsen und bietet unter überhängendem Gras und
Gebüsch hervorragenden Schutz für Brut- und Jungfische
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Bild
24
Elektrische Bestandskontrolle im Sommer 2003 Die
seichten Gerinne sind eingewachsen. Die Gewässer sind Natur pur.
Es ist nicht mehr
erkennbar, dass das Wiesenbächlein das Ergebnis menschlicher
Eingriffe ist.
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Bild
25
Elektrische Bestandskontrolle im Jahr 2003 - Quicklebendige
Naturbrütlinge der
Bachforelle.
Das
Ergebnis belohnt die zeit- und kostenaufwendige Mühe
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Bild
26
Die Natur hat es mit menschlicher Unterstützung geschafft: Nach
vielen Jahren endlich
wieder selbst reproduzierte Brütlinge der Bachforelle
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Die
Laichfische wurden nicht eingesetzt, sondern sind von sich aus in
die seichten Gerinne eingewandert.
Soweit bei der
Kontrollbefischung in den Brutbächen noch größere Forellen
zurückgeblieben waren,
wurden diese ins Hauptgewässer zurückgesetzt ,damit möglichst
viele der 3 bis 5 cm langen Naturbrütlinge die Chance haben,
groß zu werden ohne vorher von den gierigen älteren Tieren
gefressen zu werden.
Bachforellen sind Kannibalen. Sie fressen
alles, was ihnen vors Maul kommt und schonen auch nicht
ihre eigene Brut.
Zusammenfassend:
Es ist schon äußerst
schwierig und aufwendig, verloren gegangene Laichhabitate für
unsere heimischen Kieslaicher wie
Bachforellen und Äschen wieder herzustellen. Die Schaffung
geeigneter Laichplätze für den atlantischen Lachs in unseren
Mittelgebirgsflüssen ist , solange sich an diesen Kläranlage
an Kläranlage reiht, solange Regenüberlaufbecken und
Straßenabläufe regelmäßig ihren Schmutz und den
gesammelten Sand in das Gewässerbett entleeren, solange aus der
Landwirtschaft Pflanzenschutz und Düngemittel, Gülle und
Jauche in die Bäche geschwemmt werden , kurz solange auch
unsere Täler so dicht besiedelt sind wie jetzt und die Landschaft
von einem Netz von Straßen und Wegen durchzogen ist, die alle den
Oberflächenschmutz in den nächsten Vorfluter ableiten, so
lange ist es Utopie und ebenso verantwortungslos wie
ausgeschlossen zu behaupten, der Lachs könnte in unseren
Gewässern geeignete Laichplätze finden und sich dann irgendwann
einmal wieder selbst reproduzieren.
Wenn es gelingt,
zumindestens bereichsweise geeignete Voraussetzungen zu schaffen,
damit sich zumindestens Bachforellen und Äschen wieder
erfolgreich reproduzieren können, dann ist dies das Maximum
dessen, was in den Gewässern unserer Kulturlandschaft erreicht
werden kann.
Auch in früheren
Jahrhunderten laichte der Lachs nur in Ausnahmefällen in unseren
Mittelgebirgsbächen. Die Hauptlaichgebiete lagen in den Kies- und
Schotterbänken des Rheines und dem Mündungsbereich seiner
Zuflüsse.
Ein Rückbau der schon im
ausgehenden Mittelalter, verstärkt aber im 18. und 19.
Jahrhundert durchgeführten Kanalisierung des Oberrheines zum
ursprünglich kilometerbreiten alljährlich sein Flussbett
wechselnden Wildfluss dürfte ohne Aufgabe der menschlichen
Uferbesiedlung ausgeschlossen aber auch mit Milliardenaufwand
nicht realisierbar sein.
Selbst wenn der Oberrhein
mit Milliardenaufwand wieder zu einem kilometerbreiten Naturstrom
zurückgebaut werden würde, ist es völlig offen, ob das mit
Abwässern und Chemikalien, sowohl von der Schweiz, wie auch vom
Oberelsass her belastete Rheinwasser, überhaupt geeignet wäre,
dem abgelegten Lachslaich eine erfolgreiche Entwicklung zu sichern
( man denke an die geballte Einleitung der Basler chemischen
Industrie, die Belastungen durch die elsässischen Kaligruben und
die Abwasserflut aus Basel und Straßburg).
Auch insoweit wird also eine
Wiederkehr des atlantischen Lachses als selbst reproduzierende
einheimische Fischart auch in Zukunft nur ein Traum bleiben,
dessen Scheinrealität auch weiterhin nur durch regelmäßigen
Zuchtbesatz aufrecht erhalten wird, ohne dass auch nur die
entfernteste Aussicht besteht, dass sich der Lachs als
eigenständige selbst reproduzierende Fischart wieder ansiedeln
lässt.
Geradezu grotesk mutet die Nachricht an, man
wolle auch in der Werra den "Werralachs"
wieder
ansiedeln. Die
Werra ist vor allem ein Brachsengewässer mit starkem
Aalbestand. Als der Kalibergbau noch in Gang war hat sich der Aal
am resistentesten gegen die Versalzung erwiesen. Selbst
wenn es dem Lachs gelänge, irgendwo in der Werra einen geeigneten
Laichplatz zu finden -
was nahezu ausgeschlossen sein dürfte - dann würden die Aale die
abgelegten Eier aufspüren und
fressen. Eventuell dennoch geschlüpfte Junglachse würden von den
Aalen und den eingesetzten
Regenbogenforellen gefressen werden.
Nicht umsonst ist
in Salmonidengewässern der Besatz mit Aalen in der Regel generell
verboten.
Der Tatbestand, dass dennoch
von Wasserkraftbetreibern an der Werra die Herstellung lachstauglicher
Fischaufstiege verlangt wird, ist angesichts dieser Zusammenhänge
nicht zu rechtfertigen und genauso abwegig, als wolle man in
deutschen Mittelgebirgen den Bären und das Wisent wieder heimisch
machen.
Wir leben in einer vom
Menschen geprägten Kulturlandschaft. Diese zu erhalten ist eine
Aufgabe, die schwer genug ist, und die - wie am Beispiel der
fehlenden Laichgründe für die Bachforelle belegt - noch sehr
viel Arbeit und Aufwand erfordern. Bei
aller notwendigen Anstrengung aber müssen wir uns darüber im
klaren sein, dass auch mit
überzogenem Ökofanatismus das Rad der Zeit nicht auf das Jahr
Null zurückgedreht werden kann,
als der Mensch anfing, die Berge und Wälder Germaniens zu
besiedeln.
Selbst in den traditionellen
unberührten Lachsflüssen Irlands und Schottlands gehen die
Lachszuwanderungen aus dem Meer teilweise bis gegen Null zurück.
Wenn
es gelingt, zumindestens in den dortigen atlantischen Zuflüssen
den Lachs durch geeignete Maßnahmen vor dem Aussterben zu retten,
dann können wir glücklich sein.
Auf Träumereien,
den atlantischen Lachs dauerhaft und selbst reproduzierend in die
dicht besiedelte Bundesrepublik Deutschland zurückzuholen, muss
aber wohl realistischerweise verzichtet werden.
Durchgängigkeit
Die Bedeutung der
Durchgängigkeit wird weit überschätzt, selbst wenn alle unsere
Fließgewässer von der Mündung bis zur Quelle durchgängig
wären, gäbe es nicht einen Fisch mehr. Wichtigere und damit
prioritärere Bedeutung haben:
a.) Wiederherstellung der
periodischen Auenüberflutung bei Niederungs- und
Flachlandgewässer, damit Hecht, Zander, Barsch, Weißfisch usw.
wieder ihre angestammten Laichgründe auf überschwemmten
Auenwiesen finden (periodische Überschwemmungen können auch zur
Freihaltung des Lückensystemes beitragen, indem die Feinsedimente
so wie früher auf die Uferwiesen geschwemmt werden).
b.) Wiederherstellung der
Seitendurchgängigkeit, um den Anschluss an vielfach noch
unberührte und saubere kleine Seiten- ,Wiesen- und Quellgräben als
Laichhabitate herzustellen.
Bekanntlich wurden im Zuge
des Straßenbaues in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts
alle Laichgründe durch Verdohlung und Verrohrung abgeschnitten
c.) Schaffung von für
Kieslaicher geeigneten Laichhabitaten, vor allem in den
Oberläufen der Mittelgebirgsbächen
d.) Rückhaltung des
Hochwasser bildenden Drainagewassers als Ausfluss des
netzübergreifenden Wegebaues an den Berghängen.
Erst wenn diese
Voraussetzungen geschaffen sind, kann die Notwendigkeit der
Längsdurchgängigkeit überprüft werden, in aller Regel werden
die natürlichen Populationen durch die Schaffung der genannten
Voraussetzungen nach a - d aber mehr als ausreichen, um allen
heimischen Fischbeständen wieder natürliche
Reproduktionsmöglichkeiten zu bieten, so dass es der auch früher
nie vorhandenen Längsdurchgängigkeit überhaupt nicht mehr
bedarf.
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Weitere
Literatur
- Wasserkraftnutzung und Fischerei
Manfred Lüttke und Johannes Prinz, Oktober 2001
Strukturierte Ausleitungsstrecken mit wenig Restwasser können
gleichwertige, oft sogar bessere Fischhabitate als
Vollwasserstrecken bieten.
Manfred Lüttke, September 2000
- Nicht
Längsdurchgängigkeit, sondern Seitenaufstieg tut Not
Manfred Lüttke und Johannes Prinz, Oktober 2001
- LAWA-Vorgaben zur
Mindestwasserbestimmung sind fischfeindlich und
gewässerökologisch nicht begründbar
Manfred Lüttke und Johannes Prinz, November 2002/überarbeitet
Juni 2003
-
Immer schneller und steiler ansteigende Hochwasserspitzen - Das
Hochwasser beginnt in den Bergen
Forstwirtschaft als Hauptverursacher?
Manfred Lüttke, September 1998
- Fische sind keine
Kulturflüchter, Wehrbauwerke und Ufermauern fördern regelmäßig
den Fischbestand
Manfred Lüttke und Johannes Prinz, August 2002
- Gebirgsflüsse
sind nie durchgängig, waren auch in der Urzeit nicht
durchgängig, die aquatischen Lebensgemeinschaften brauchen auch
keine Durchgängigkeit
- Ansonsten gäbe es oberhalb von Wasserfällen generell keine
Fische
Manfred Lüttke, August 2001
- Sind Angler und
Freizeitfischer auch Tier- und Naturschützer?
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