Die Wiederkehr des atlantischen Lachses

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Atlantischer Lachs

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Ursachen für den Verschluss des Lückensystems durch Versandung, Veralgung und Verschmutzung

 


An jedem Flusslauf - auch an denjenigen, die als Lachsflüsse ausgewählt wurden - reiht sich Klärwerk an Klärwerk, bei jedem Starkregen und erst recht bei jedem anlaufenden Hochwasser, wenn mehr zuläuft als im Klärprozess gereinigt werden kann, fließen zeitweise die gesamten ankommenden Abwässer ungeklärt in den jeweiligen Vorfluter, gleichgültig ob Forellenbach, Barbengewässer oder "Lachsgewässer in spe". Gleichzeitig werden bei diesen Ereignissen auch zwangsläufig die Orts- und Landstraßen bis hin zum Berg- und Feldweg "gewaschen", wobei regelmäßig große Mengen an Sand, Staub und Reifenabrieb in das jeweilige potentielle "Lachsgewässer" abgeschwemmt werden.

Hinzu kommen die gewässerbelastenden Ausschwemmungen aus der Landwirtschaft , sowohl aus Düngemittel, wie auch Pflanzenschutz ganz besonders aber aus der Gülle und Jaucheflut als Ausfluss der Tier- und Massentierhaltung .

Die zwangsläufige Folge ist die Versandung, die Veralgung und in nahezu allen Fällen auch der Verschluss des Lückensystemes mit der Konsequenz, dass der Gewässergrund Kieslaichern keine geeignete Laichmöglichkeit und damit auch keine Fortpflanzungsmöglichkeit mehr bietet.

Dort, wo es keine natürliche Reproduktion mehr gibt, gehen mit oder ohne Kormoran die Äschen, Barben aber auch Bachforellen permanent zurück, wobei der Rückgang der natürlichen Reproduktion der Bachforellen seit Jahrzehnten durch immer umfangreicher werdende Besatzmaßnahmen überdeckt und kaschiert wird.

Es grenzt an Utopie und Gesundbeterei anzunehmen oder zu behaupten, dass dort, wo unsere einheimischen Fische keine Laichmöglichkeit mehr finden, ausgerechnet der noch viel anspruchsvollere atlantische Lachs erfolgreich ablaichen könnte.

Bild 16  
Großkläranlage
bei Neurod im Albtal oberhalb von Ettlingen


Hier werden die Schmutzwassermengen der umliegenden Dörfer im Tal und rechts und links auf den Höhen des Albtales aufgenommen und in die Alb entwässert. Selbst wenn die Lachse tatsächlich die verschlammte und sedimentierte Flussstrecke der Alb beim Bild 15 und flussaufwärts die Stadt Ettlingen durchschwimmen könnten, und es den Fischen sogar möglich wäre, die Abwassereinleitungen aus der Großkläranlage Neurod zu überwinden, dann hätten die Lachse nichts gewonnen, da der Flussgrund der Alb auch weiter oberhalb bis Frauenalb oder Herrenalb nicht besser aussieht.

Auch in den oberen Flussbereich münden unzählige Rückhaltebecken und Straßenabläufe, aber auch weitere Kläranlagen (Herrenalb, Frauenalb), so dass auch auf dieser Strecke gleichermaßen das Lückensystem des Gewässers verschlossen bleibt. Etwa doch an irgend einer Stelle erfolgreich abgelegter Laich würde durch die immer schneller ansteigenden Hochwasserspitzen des auch hier begradigten und verengten Gewässers hinweggeschwemmt (Manfred Lüttke und Johannes Prinz "Immer schneller und steiler ansteigende Hochwasserspitzen - Das Hochwasser beginnt in den Bergen, Forstwirtschaft als Hauptverursacher?")

 

Bild 17  
Großkläranlage
Baiersbronn am Oberlauf des "Lachsflusses"
Murg


Hier werden alle Abwässer der Gemeinde des Bereiches Baiersbronn und Freudenstadt
konzentriert behandelt und in die Murg eingeleitet.

Bild 18  
Nahaufnahme
auf das Flussbett der Murg unterhalb der Großkläranlage Baiersbronn im Dezember 2003


Der Boden ist versandet und veralgt. Der umgedrehte Stein belegt den Grad der Veralgung,
das Wasser des "Lachsflusses Murg" ist schwarz und stinkt. Selbst wenn man im Rhein aufgestiegene laichwillige Lachse - wie in den Pyrenäen praktiziert - im Unterlauf abfangen und mit Tankwagen in den Oberlauf der Murg fahren würde, dann könnten die Lachse hier allenfalls im stinkenden Abwasser baden, niemals aber geeignete Laichuntergründe finden.
Bis zur Einmündung in den Rhein reihen sich an er Murg entlang noch viele Kläranlagen und eine noch größere Anzahl von Regenüberlaufbecken, die allesamt regelmäßig ihre Schlamm- und Sandflut direkt oder über Seitenbäche in die Murg entlasten.

Diese Verhältnisse stellen sich in allen Zuflüssen, die als Lachsgewässer ausgewiesen werden sollen, gleich oder ähnlich dar.

Selbst wenn es irgendwo in den Mittelgebirgsgewässern gelänge, einigen Lachsen erfolgreich zum Ablaichen zu verhelfen, dann würde die Lachsbrut durch den Besatz an Aalen, Regenbogenforellen aber auch Döbeln und Barben restlos aufgefressen werden.

Sind die Verhältnisse in Britisch-Kolumbien oder in den Pyrenäen vergleichbar?

Hinweise und Vergleiche auf Lachsflüsse in Britisch-Kolumbien und den französischen Pyrenäen gehen fehl. In beiden Fällen handelt es sich um Flusslandschaften, die dünn oder überhaupt nicht besiedelt sind. Hinzu kommt, dass in Britisch-Kolumbien der pazifische Lachs lebt. Dessen Lebensbedürfnisse und Lebensablauf ist völlig anders und mit dem atlantischen Lachs nicht vergleichbar.

Gravierender Unterschied zu Britisch-Kolumbien :

Der pazifische Lachs stirbt nach dem Ablaichen. Nachdem die Oberläufe der dortigen Flüsse aufgrund klimatischer Bedingungen oft fischleer oder nur sehr dünn besiedelt sind, haben die geschlüpften Junglachse mit weit weniger Fraßfeinden zu rechnen, als in den künstlich überbesetzten Gewässern der Anglervereine in unserer Regionen.

In Britisch-Kolumbien gibt es weder Ausschwemmungen aus landwirtschaftlichem Pflanzenschutz oder Düngemittel, noch gibt es Ausschwemmungen aus Großvieh- oder Massentierhaltung. Auch die Lachsflüsse der Pyrenäen sind von derartigen Belastungen frei, Weideschafe sind dort die einzigsten landwirtschaftlichen Großtiere und diese verursachen keine vergleichbare Gewässerbelastung wie die Rinder und Schweinehaltung in den deutschen Bergregionen. Darüber hinaus gibt es weder in Britisch-Kolumbien noch in den Pyrenäen eine vergleichbare Anzahl von Kläranlagen, Straßen oder Regenüberlaufbecken und es ist dort völlig ausgeschlossen, dass in Niederwasserzeiten - wie in Deutschland - der Abwasseranteil am Gewässerabfluss oft größer als der natürliche Zufluss ausfällt. 

Bild 19 Abwasser- und Regenüberlaufbecken Oberreichenbach auf der Hochfläche zwischen Nagold und Enz 


Bei normaler Witterung strömen die gesamten Abwässer der Gemeinde durch das im Vordergrund
erkennbare viereckige Einlaufbauwerk in den Rundbehälter, um von dort in die Kanalisation zum Klärwerk Calw an der Nagold geleitet zu werden. Bei Starkregen aber ist das Becken in kurzer Zeit randvoll.

Bild 20


Dann läuft das Wasser auf der rechten Seite über und mündet über ein meterdickes Rohr direkt in den idyllischen Schweinsbach, einen scheinbar unberührten, wunderschönen Forellenbach, der nach 5 km in die Nagold mündet.

Auch dieser Forellenbach ist als Ausfluss dieser Belastung versandet, veralgt und die Poren des Lückensystemes sind verschlossen.

Eingesetzte Bachforellen können sich halten und entwickeln, sich selbst reproduzieren können die Forellen aber nicht mehr.

Hilft der mit großen Vorschusslorbeeren neu errichtete lachs- taugliche Fischaufstieg beim Rheinkraftwerk Iffezheim dem Lachs, geeignete Laichgründe zu erschließen?

An der Staustufe des Rheinkraftwerkes Iffezheim wurde ein lachstauglicher Fischaufstieg gebaut, wobei Frankreich, die Bundesrepublik und die Kraftwerksbetreiber je 1/3 der Kosten getragen haben.
Ein Fischaufstieg beim oberhalb liegenden Rheinkraftwerk Gambsheim soll folgen.

Seit der erste Fischaufstieg in Betrieb ist wurden auch schon in größerem Umfang aus Besatzmaßnahmen zurückkehrende Lachse und Meerforellen gesichtet, die die Becken hinaufgewandert sind.

Zu einer eigenständigen Reproduktion ist es aber bis jetzt noch an keiner Stelle gekommen weil - wie ausführlich erläutert und dargelegt - es für die Lachse weder im Rhein unterhalb des Fischaufstieges noch oberhalb des Fischaufstieges aber auch in den jeweiligen Rheinzuflüssen keine geeigneten Laichmöglichkeiten vorhanden sind. Rückkehrende Lachse können nach dem Bau des Fischaufstieges zwar den Oberrhein einige Kilometer weiter aufsteigen, geeignete Laichmöglichkeiten aber können dadurch nicht erschlossen werden.

Sind die Verhältnisse vielleicht an anderen Stellen besser?

Das Land Nordrhein-Westfalen hat auch den Ruhr- und Lennebereich in ein aufwendiges Lachsprogramm mit einbezogen.

Die Verhältnisse des Gewässeruntergrundes an Ruhr und Lenne und deren Zuflüsse unterscheiden sich aber in nichts von denjenigen der Zuflüsse des Oberrheines.

Bei einer Tagfahrt an Lenne und Ruhr im Mai 2003 musste festgestellt werden, dass auch dort der Flussuntergrund versandet und verschlammt, und das Lückensystem verstopft ist.

Das notwendige grobporige offene Lückensystem, das ein Lachs zum Laichen braucht, gibt es weder in Lenne noch Ruhr.

Einer der früheren Hauptbefürworter der Wiederansiedlung des Lachses im Ruhr- und Lenne- system, Dipl.-Ing. Ulrich Dumont, hat zwischenzeitlich selbst dafür plädiert, das Wiedereinbürgerungsprogramm des Lachses im Ruhrsystem aufzugeben , da dieses u. a. auch wegen der hohen Kosten von mehreren Hundert Millionen Euro nicht finanzierbar sei (DVWK-Tagung Flussgebietsmanagement - 4. aktueller Workshop zur Weichenstellung bei der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie 17./18.11.2003, Essen).

Tatsächlich dürfte es kein Geheimnis sein, dass das Lachsprogramm an der Ruhr - genauso wie an allen anderen deutschen Flüssen - nicht nur wegen der hohen Kosten, sondern wegen des generellen irreparablen Fehlens von Laichmöglichkeiten ( Versandung und Verschluss des Lückensystemes ) als Ausfluss der Gewässerbelastung von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Letztlich ist es unverantwortlich, für jeden eventuell zurückkehrenden Besatzlachs mehrere Millionen Euro an Steuergeldern aufzuwenden, ohne aber dass dieser jemals die Möglichkeit hat, sich selbst zu reproduzieren.

Forderungen nach Einführung eines 10 mm Rechens und den Bau groß dimensionierter Fischabstiegsanlagen sind nicht begründbar und daher ebenso unnötig, wie unsinnig

Die sowohl in Baden-Württemberg wie auch in Nordrhein-Westfalen erhobenen Forderungen an Wasserkraftbetreiber, die vorhandenen Rechenanlagen auf 10 mm Abstand zurück- und gleichzeitig Fischabstiegsanlagen für den Lachs zu bauen, können daher nur als abwegiger Unsinn bezeichnet werden, der - würde man diesen Forderungen nachkommen - nur zu einer Reduzierung der Stromerzeugung aus Wasserkraft, zu einem verfassungswidrigen Eingriff in Eigentumsrechte, aber nicht zur Selbstreproduktion eines einzigen Lachses führen würde.

Dass der DVWK, auf den diese Forderung zurückgeführt wurde, sich zwischenzeitlich durch ein klarstellendes Schreiben von diesen Vorgaben distanzierte und klarstellte, dass es für derartige Forderungen keine tragfähigen Untersuchungen gibt, ist sicherlich bekannt.
(Schreiben DVWK vom 04.07.2003 an das Institut für Wasserbau, Prof. Dr. Ing. Giesecke, Stuttgart, ebenso wie Schreiben vom 15.10.2003 an das Bundesministerium für Umwelt).

Die amtliche Verlautbarung der staatlichen Fischereibehörde in "Fische in Baden-Württemberg", ( erweiterte und aktualisierte Auflage, Seite 44 ) stellt ernüchternd klar :

Der Mangel an Laichplätzen konnte trotz der getroffenen Fördermaßnahmen bis heute nicht behoben werden, so dass bei Einstellung der gegenwärtig intensiven Besatzbemühungen wieder mit dem Verschwinden des Lachses zu rechnen ist.

Und weiter:
Ein Reproduktionsnachweis im badischen Rheingebiet steht noch aus.
Diese klare Feststellung dürfte gleichermaßen auch für alle anderen von Lachsprogrammen auserwählte Gewässerbereiche gelten.

Obwohl die Lachsprogramme schon seit Anfang der 90er Jahre intensiv verfolgt werden konnten bis jetzt noch nirgends selbst reproduzierte Junglachse beobachtet oder nachgewiesen werden. Es besteht nicht die allergeringste Aussicht, dass sich hieran etwas ändern könnte.

Auch wenn die chemische und physikalische Qualität der Fließgewässer dank immer verbesserter Kläranlagen noch so gut sein sollte, dann kann dieser Tatbestand dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Lückensystem der Flussuntergründe durch die immer weiter fortschreitende Versandung, eingeschwemmt aus Straßenabläufen und drainierten Berghängen, sowie durch die sich absetzenden Sedimente und Schlämme aus Kläranlagen , Regenüberlaufbecken aber auch Gülleausbringung dauerhaft sedimentiert, veralgt und verschlossen wird.

Auch in den Bereichen, in denen diese Einschwemmungen gering sind, gibt es dennoch keinen Bruterfolg da die alljährlich steiler ansteigenden Hochwasserspitzen den Flussuntergrund mehrmals im Jahr so umwälzen, dass sich noch nicht einmal abgelegte Eier der Bachforellen entwickeln können. ( Lüttke/Prinz : "Immer schneller und steiler ansteigende Hochwasserspitzen " - Das Hochwasser beginnt in den Bergen ......)

Diese Zusammenhänge sind auch Hauptgrund für den allerorts beklagten dramatischen Rückgang der früher hervorragenden sich selbst reproduzierenden Äschenbestände (Goldachstudie Weihenstephan )

Wenn an diesem bedauerlichen Zustand etwas geändert werden soll, dann genügt es nicht nur, die Flussbette zu renaturieren, den Flusslauf wieder wie in Urzeiten zu verlängern, es müsste vorher der Mensch beseitigt werden, damit die Gewässer nicht mehr durch Abwässer, Chemikalien, Straßenabläufe und Drainage belastet werden.

Ein Reproduktionsnachweis zurückgekehrter Zuchtlachse steht bis jetzt nicht nur für das Rheingebiet, sondern für die gesamte Bundesrepublik aus. Alle diesbezügliche Anfragen blieben bis jetzt ohne Ergebnis.

Auch Frau Dr. Adam kann bis heute nur von Lachsrückkehrern, nicht aber von sich erfolgreich reproduzierenden zurückgekehrten Lachsen berichten.
Dieser nüchterne Tatbestand dürfte bis heute für alle Gewässerbereiche gelten, in die mit großen
Erwartungen künstlich erbrütete und gezüchtete genfremde Zuchtlachse eingesetzt wurden.

Der Traum von der Wiederkehr des atlantischen Lachses als selbst reproduzierende heimische Art wird daher auch weiterhin ein Traum bleiben.

Eine Fischart, die nur deshalb in einem Gewässer vorkommt, weil Jahr für Jahr unter ungeheurem Aufwand von Steuergeldern künstlich erbrütete Jungfische eingesetzt werden, kann nicht als einheimische Fischart bezeichnet werden.

Der mit Millionenaufwand in Gang gehaltene Lachsrummel,  im Rahmen dessen alljährlich orts- und genfremde künstlich gezüchtete Junglachse eingesetzt werden, stellt sich angesichts der Aussichtslosigkeit der Selbstreproduktion als äußerst fragwürdiges Unterfangen, um nicht zu sagen als Fischzirkus dar.

Nachdem aus den gleichen Gründen in der Forellenregion unserer Mittelgebirgsgewässer sich noch nicht einmal mehr unsere heimischen Bachforellen selbst reproduzieren können, wäre es sinnvoller aber auch effizienter, Maßnahmen zu ergreifen, um zumindestens bereichsweise - dort, wo dies möglich ist - deren Selbstreproduktion für die Zukunft wieder zu ermöglichen.

Dass dies zumindestens in kleineren Gewässern im unbesiedelten Bereich möglich ist, wird anhand der erfolgreichen Projekte an der Oberen Murg nachgewiesen. Klarzustellen ist allerdings, dass die Herstellung einer beständigen Selbstreproduktion in Deutschland nur im Quellbereich der Flüsse und Bäche eine dauerhafte Chance hat, also in Bereichen, die für den Lachs zu kleinräumig aber auch nicht erreichbar sind.

 

 

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