Dann
läuft das Wasser auf der rechten Seite über und mündet über
ein meterdickes Rohr direkt in den idyllischen Schweinsbach, einen
scheinbar unberührten, wunderschönen Forellenbach, der nach 5 km
in die Nagold mündet.
Auch dieser Forellenbach ist als Ausfluss
dieser Belastung versandet, veralgt und die Poren des
Lückensystemes sind verschlossen.
Eingesetzte Bachforellen können sich halten
und entwickeln, sich selbst reproduzieren können die Forellen
aber nicht mehr.
Hilft der mit
großen Vorschusslorbeeren neu errichtete lachs- taugliche
Fischaufstieg beim Rheinkraftwerk Iffezheim dem Lachs, geeignete
Laichgründe zu erschließen?
An der Staustufe des Rheinkraftwerkes
Iffezheim wurde ein lachstauglicher Fischaufstieg gebaut,
wobei Frankreich, die Bundesrepublik und die
Kraftwerksbetreiber je 1/3 der Kosten getragen haben.
Ein Fischaufstieg beim oberhalb liegenden Rheinkraftwerk Gambsheim
soll folgen.
Seit der erste Fischaufstieg in Betrieb ist
wurden auch schon in größerem Umfang aus Besatzmaßnahmen
zurückkehrende Lachse und Meerforellen gesichtet, die die Becken
hinaufgewandert sind.
Zu einer eigenständigen Reproduktion ist es
aber bis jetzt noch an keiner Stelle gekommen
weil - wie ausführlich erläutert und dargelegt - es für die
Lachse weder im Rhein unterhalb des Fischaufstieges noch oberhalb
des Fischaufstieges aber auch in den jeweiligen Rheinzuflüssen keine
geeigneten Laichmöglichkeiten vorhanden sind. Rückkehrende
Lachse können nach dem Bau des Fischaufstieges zwar den Oberrhein
einige Kilometer weiter aufsteigen, geeignete
Laichmöglichkeiten
aber können dadurch nicht erschlossen werden.
Sind die
Verhältnisse vielleicht an anderen Stellen besser?
Das Land Nordrhein-Westfalen
hat auch den Ruhr- und Lennebereich in ein aufwendiges
Lachsprogramm mit einbezogen.
Die Verhältnisse des
Gewässeruntergrundes an Ruhr und Lenne und deren Zuflüsse
unterscheiden sich aber in nichts von denjenigen der Zuflüsse des
Oberrheines.
Bei einer Tagfahrt an Lenne
und Ruhr im Mai 2003 musste festgestellt werden, dass auch dort
der Flussuntergrund versandet und verschlammt, und das
Lückensystem verstopft ist.
Das notwendige grobporige
offene Lückensystem, das ein Lachs zum Laichen braucht, gibt es
weder in Lenne noch Ruhr.
Einer der früheren
Hauptbefürworter der Wiederansiedlung des Lachses im Ruhr- und
Lenne- system, Dipl.-Ing. Ulrich Dumont, hat
zwischenzeitlich selbst dafür plädiert, das
Wiedereinbürgerungsprogramm des Lachses im Ruhrsystem aufzugeben
, da dieses u. a. auch wegen der hohen Kosten von mehreren Hundert
Millionen Euro nicht finanzierbar sei (DVWK-Tagung Flussgebietsmanagement
- 4. aktueller Workshop zur Weichenstellung bei der Europäischen
Wasserrahmenrichtlinie
17./18.11.2003, Essen).
Tatsächlich dürfte es kein
Geheimnis sein, dass das Lachsprogramm an der Ruhr - genauso wie
an allen anderen deutschen Flüssen - nicht nur wegen der hohen
Kosten, sondern wegen des generellen irreparablen Fehlens von
Laichmöglichkeiten ( Versandung und Verschluss des
Lückensystemes ) als Ausfluss der Gewässerbelastung von
vornherein zum Scheitern verurteilt ist.
Letztlich ist es
unverantwortlich, für jeden eventuell zurückkehrenden
Besatzlachs mehrere Millionen
Euro an Steuergeldern aufzuwenden, ohne aber dass dieser jemals
die Möglichkeit hat, sich selbst zu reproduzieren.
Forderungen nach
Einführung eines 10 mm Rechens und den Bau groß dimensionierter
Fischabstiegsanlagen sind nicht begründbar und daher ebenso
unnötig, wie unsinnig
Die sowohl in Baden-Württemberg wie auch in
Nordrhein-Westfalen erhobenen Forderungen an
Wasserkraftbetreiber, die vorhandenen
Rechenanlagen auf 10 mm Abstand zurück- und gleichzeitig
Fischabstiegsanlagen für den Lachs zu bauen, können daher nur
als abwegiger Unsinn bezeichnet werden, der - würde man
diesen Forderungen nachkommen - nur zu einer Reduzierung der
Stromerzeugung aus Wasserkraft, zu einem verfassungswidrigen
Eingriff in Eigentumsrechte, aber
nicht zur Selbstreproduktion eines einzigen Lachses führen
würde.
Dass der DVWK, auf den diese Forderung
zurückgeführt wurde, sich zwischenzeitlich durch ein
klarstellendes Schreiben von diesen Vorgaben distanzierte und
klarstellte, dass es für derartige Forderungen keine tragfähigen
Untersuchungen gibt, ist sicherlich bekannt.
(Schreiben DVWK vom
04.07.2003 an das Institut für Wasserbau, Prof. Dr. Ing.
Giesecke, Stuttgart, ebenso wie Schreiben vom 15.10.2003 an
das Bundesministerium für Umwelt).
Die amtliche Verlautbarung
der staatlichen Fischereibehörde in "Fische in
Baden-Württemberg", ( erweiterte und aktualisierte
Auflage, Seite 44 ) stellt ernüchternd klar :
Der Mangel an Laichplätzen
konnte trotz der getroffenen Fördermaßnahmen bis heute nicht
behoben werden, so dass bei Einstellung der gegenwärtig
intensiven Besatzbemühungen wieder mit dem Verschwinden des
Lachses zu rechnen ist.
Und weiter:
Ein Reproduktionsnachweis im badischen Rheingebiet steht noch aus.
Diese klare Feststellung dürfte gleichermaßen auch für alle
anderen von Lachsprogrammen auserwählte Gewässerbereiche gelten.
Obwohl die Lachsprogramme
schon seit Anfang der 90er Jahre intensiv verfolgt werden konnten
bis jetzt noch nirgends selbst reproduzierte Junglachse beobachtet
oder nachgewiesen werden. Es besteht nicht die allergeringste
Aussicht, dass sich hieran etwas ändern könnte.
Auch wenn die
chemische und physikalische Qualität der Fließgewässer dank
immer verbesserter Kläranlagen noch
so gut sein sollte, dann kann dieser Tatbestand dennoch nicht
darüber hinwegtäuschen, dass
das Lückensystem der Flussuntergründe durch die immer weiter
fortschreitende Versandung, eingeschwemmt aus Straßenabläufen
und drainierten Berghängen, sowie durch die sich absetzenden
Sedimente und Schlämme aus Kläranlagen , Regenüberlaufbecken
aber auch Gülleausbringung dauerhaft sedimentiert, veralgt und
verschlossen wird.
Auch in den Bereichen, in
denen diese Einschwemmungen gering sind, gibt es dennoch keinen
Bruterfolg da die alljährlich steiler ansteigenden
Hochwasserspitzen den Flussuntergrund mehrmals im Jahr so
umwälzen, dass sich noch nicht einmal abgelegte Eier der
Bachforellen entwickeln können.
( Lüttke/Prinz : "Immer schneller und steiler ansteigende
Hochwasserspitzen " - Das Hochwasser beginnt in den
Bergen ......)
Diese Zusammenhänge sind auch Hauptgrund
für den allerorts beklagten dramatischen Rückgang
der früher hervorragenden sich selbst
reproduzierenden Äschenbestände (Goldachstudie Weihenstephan )
Wenn an diesem bedauerlichen
Zustand etwas geändert werden soll, dann genügt es nicht nur,
die Flussbette zu renaturieren, den Flusslauf wieder wie in
Urzeiten zu verlängern, es müsste vorher
der Mensch beseitigt werden, damit die Gewässer nicht mehr durch
Abwässer, Chemikalien, Straßenabläufe und Drainage belastet
werden.
Ein Reproduktionsnachweis
zurückgekehrter Zuchtlachse steht bis jetzt nicht nur für das
Rheingebiet, sondern für die gesamte Bundesrepublik aus. Alle
diesbezügliche Anfragen blieben bis jetzt ohne Ergebnis.
Auch Frau Dr. Adam kann bis heute nur
von Lachsrückkehrern, nicht aber von sich erfolgreich
reproduzierenden zurückgekehrten Lachsen
berichten.
Dieser nüchterne Tatbestand dürfte bis heute für alle
Gewässerbereiche gelten, in die mit großen Erwartungen
künstlich erbrütete und gezüchtete genfremde Zuchtlachse
eingesetzt wurden.
Der Traum von der
Wiederkehr des atlantischen Lachses als selbst reproduzierende
heimische Art wird daher auch weiterhin ein Traum bleiben.
Eine
Fischart, die nur deshalb in einem Gewässer vorkommt, weil Jahr
für Jahr unter ungeheurem Aufwand von Steuergeldern künstlich
erbrütete Jungfische eingesetzt werden, kann nicht als
einheimische Fischart bezeichnet werden.
Der mit Millionenaufwand in Gang gehaltene
Lachsrummel, im Rahmen dessen alljährlich orts- und genfremde
künstlich gezüchtete Junglachse eingesetzt werden,
stellt sich angesichts der Aussichtslosigkeit der
Selbstreproduktion als äußerst fragwürdiges Unterfangen, um
nicht zu sagen als Fischzirkus dar.
Nachdem aus den gleichen Gründen in der
Forellenregion unserer Mittelgebirgsgewässer
sich noch nicht einmal mehr unsere
heimischen Bachforellen selbst reproduzieren können, wäre
es sinnvoller aber auch effizienter, Maßnahmen zu ergreifen, um
zumindestens bereichsweise -
dort, wo dies möglich ist - deren Selbstreproduktion für die
Zukunft wieder zu
ermöglichen.
Dass dies zumindestens in
kleineren Gewässern im unbesiedelten Bereich möglich ist, wird
anhand der erfolgreichen Projekte an der Oberen Murg
nachgewiesen. Klarzustellen ist allerdings, dass die
Herstellung einer beständigen Selbstreproduktion in Deutschland
nur im Quellbereich der Flüsse und Bäche eine dauerhafte Chance hat, also in Bereichen, die für den Lachs zu kleinräumig aber
auch nicht erreichbar sind.
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