Umweltfreundliche Wasserkraft - Ein Beispiel für konstruktive Zusammenarbeit zwischen Betreiber und Behörden

An der Donau in Baden-Württemberg haben sich Wasserkraftnutzer und Gewässerschützer nicht bekämpft, sondern geeinigt. Was allgemein gilt, trifft auch hier zu: Die Produktion von regenerativer Energie aus Wasserkraft hat viele Aspekte, die sich für Befürworter und Gegner unterschiedlich darstellen. Pauschale Beschuldigungen helfen im Einzelfall nicht weiter. Verhärten die Fronten, bedeutet dies einen Stillstand, der niemandem nützt.

Ein Beispiel von der württembergischen Donau soll belegen, wie fruchtbar Gespräche sein können, wenn ein Ziel gemeinsam verfolgt wird. Drei Mal trafen sich am runden Tisch: Der Kraftwerksbetreiber, das Landratsamt als Genehmigungsbehörde, die Gewässerdirektion als technische Fachbehörde, der staatliche Fischereisachverständige des Regierungspräsidiums, der staatliche Naturschutz des Regierungspräsidiums und die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege sowie der Gewässerökologe des Regierungspräsidiums. Angetreten ist diese Mannschaft, das Integrierte Donau-Programm (IDP) umzusetzen und vor allem beim Thema "Durchgängigkeit für Fische und Kleintiere" weiter zu kommen.

Der "Aktionsplan Durchgängigkeit baden-württembergische Donau und Breg" (2002) beklagt 50 Querbauwerke und Staustrecken auf 40 % der 240 Kilometer langen Strecke zwischen dem Schwarzwald und Ulm. Bis auf einen Pegel hat das Land Baden-Württemberg seine Aufgaben seit Beginn des IDP im Jahre 1992 unterhalb der Donauversinkungen erledigt und sechs seitherige Wanderungshindernisse durch raue Rampen ersetzt. Zwei landeseigene Kulturwehre in Sigmaringen und Laiz schmücken nun neue Wasserkraftanlagen. Im Zuge dieser Installation stellte die Stadt Sigmaringen als Betreiber die Durchgängigkeit her. Im Regierungspräsidium Tübingen bestehen noch drei Flusskraftwerke und zwölf Ausleitungskraftwerke (mit zusammen etwa 20 km Ausleitungsstrecke), deren Durchgängigkeit seither nicht gelöst ist.

Das Regierungspräsidiums Tübingen beauftragte einen externen Gutachter mit einem Feldversuch zur Festlegung des Mindestabflusses in der Ausleitungsstrecke der Wasserkraftanlage Alfredstal, Gemeinde Obermarchtal im Alb-Donau-Kreis. Die Auswertung der im Feldversuch gemessenen Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen führte zu einer vertraglich vereinbarten Mindestwasserregelung, die im Folgenden dargestellt wird.

Der Feldversuch ergab, dass bei dem Orientierungswert nach dem gemeinsamen Erlass für Baden-Württemberg von 3 m³/s (1/3 des mittleren Niedrigwasserabflusses MNQ) das Fließgeschehen selbst an sehr ungünstigen Stellen so ausgeprägt ist, dass an der Funktion der knapp über 1 km langen Ausleitungsstrecke als Lebensraum kein Zweifel besteht.

Der Feldversuch zeigte weiter, dass auch schon bei einer eingestellten Wassermenge von 1,5 m³/s (entspricht 1/6 MNQ) gute Fließbedingungen und eine ausreichende Gewässertiefe bestehen. Das Spektrum der Fließgeschwindigkeiten im Querprofil ist jedoch eingeschränkt.

Da der Betreiber bei allem Verständnis für die Mindestwasserfrage sein Altrecht auch künftig nutzen will und Gelder für Entschädigung oder Teilablösung nicht zur Verfügung stehen, musste die Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten strapaziert werden. Letztlich kam ein Vertrag zustande, in dem sich der Betreiber verpflichtet, vom 15.03. bis 15.06. jeden Jahres mindestens 1,5 m³/s in der Ausleitungsstrecke zu belassen. In der übrigen Zeit fließen mindestens 0,5 m³/s. Für einen Versuchszeitraum von 5 Jahren fließen allerdings mindestens 0,75 m³/s. In dieser Zeit soll untersucht werden, wie sich die verschiedenen Wassermengen vor allem auf die Fischfauna auswirken.

Der Stromausfall für den Betreiber beziffert sich auf ca. 6.000.- bis 8.000.- €/Jahr, was etwa 3,5 bis 5 % der Jahresstromeinnahmen entspricht. Er erspart sich damit allerdings die Reparatur und den weiteren Unterhalt der vorhandenen Fischtreppe, welche im Zusammenhang mit der vom Land Baden-Württemberg im Zuge des Integrierten Donauprogramms neu zu erbauenden rauen Rampe verschlossen wird. Dies wiegt natürlich die geldwerten Nachteile bei weitem nicht auf. Die Einsicht des Betreibers, dass man als Nutzer der Natur dieser eben auch seinen Tribut zollen muss, hat letztlich zum Einlenken geführt und die Kompromissverhandlungen zu einem gütlichen Ergebnis geführt.

Den Behörden erschien ein solcher Kompromiss möglich, da einerseits der Ausbaugrad des Wasserkraftwerks Alfredstal mit 27 m³ vergleichsweise bescheiden ist . Das Schluckvermögen der Turbinen wird im Mittel in der Hälfte der Zeit durch das Wasserdargebot überschritten. Das überschüssige Wasser verbleibt dann in der Ausleitungsstrecke. Andererseits weist die Ausleitungsstrecke eine sehr gute Struktur auf. Es besteht ein nahezu durchgehender, abwechslungsreicher und gestufter Gehölzsaum, die Ufer sind wenig verbaut, flache Bereiche, Kiesinseln und tiefe Gumpen wechseln sich ab. Kleinfische und vor allem Jungfische finden in diesem strukturreichen Bereich auch bisher schon vielfältige Lebensräume, trotz einer über eine konventionelle Fischtreppe abgegebenen Wassermenge von lediglich 0,1 m³/s, zuzüglich freiwillig über den Leerschuss abgegebenen 0,3 m³/s, also zusammen ca. 0,4 m³/s Restwasserabgabe.

Außerdem muss das stetige Abflussverhalten der Donau in diesem Bereich berücksichtigt werden. Durch das Einzugsgebiet der Schwäbischen Alb mit ihren ausgleichenden Karstquellen fällt der Niedrigwasserstand am Wehr Alfredstal selten unter 5 m³/s. Der MNQ-Wert stellt sich deshalb verhältnismäßig hoch, so dass die Restwasserstrecke ohne weiteres mit weitaus geringeren Wassermengen, als im Baden-Württembergischen Erlass geregelt, auskommt. Zudem ist die Restwasserstrecke fast zu 80% vom Unterwasser her eingestaut.

Das vereinbarte Mindestwasser stellt nach Meinung der Beteiligten sicher, dass gerade in der Laich- und Entwicklungszeit der Fische der notwendige Lebensraum gesichert und nahezu ganzjährig die Durchgängigkeit für die Donaufische und Kleintiere über die gerade im Bau befindliche, mit dem (abgestuften) Mindestwasser zu beschickende Teilrampe gegeben ist.

Dr. Helmut Klepser, Regierungspräsidium Tübingen
Dipl-Ing. Elmar Reitter, Vorsitzender AWK-BW, Rechtenstein

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