Protokoll Wasserkraftstammtisch in Wolterdingen

Der diesjährige Frühjahrswasserkraftstammtisch der AWK fand am 25.05.2013 in Wolterdingen statt.

Gegen 16 Uhr versammelten sich rund 30 Interessierte am Standort des Hochwasserrückhaltebeckens (HRB) Wolterdingen. Zwei Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Freiburg, Außenstelle Donaueschingen, Herr Schubert und Herr Bauer übernahmen die Führung durch das technische Bauwerk und standen den vielen aufkommenden Fragen Rede und Antwort.

Kurz zum Hintergrund des HRB:

Aufgrund schlimmer Hochwasser 1990 wurde von der Landesregierung  1992 das Integrierte Donau-Programm (IDP) ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, die Menschen der Anliegerkommunen vor dem Hochwasser der Donau zu schützen und zugleich den Lebensraum Donau als Naturkleinod und Kulturerbe zu erhalten. Eine Maßnahme war der Bau eines Hochwasserschutzes im Einzugsgebiet der Breg, welche fast immer der Auslöser für außergewöhnliche Hochwasser an der baden-württembergischen Donau ist. Da die Breg sehr schnell reagiert wurde der Standort des Hochwasserrückhaltebeckens an dieser Stelle oberhalb von Wolterdingen gewählt.

Als Ergebnis der Risikoanalyse von Simulationen verschiedenster Hochwasserereignisse und -szenarien hat sich statt der ursprünglich angedachten Variante von vier Hochwasserrückhaltebecken die Variante von einem Hochwasserrückhaltebecken und lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen als die wirtschaftlichste erwiesen.

Die Finanzierung der dafür benötigten 23 Millionen Euro war eine Gemeinschaftsaufgabe vom Land Baden-Württemberg (70 Prozent) und den betroffenen Kommunen entlang der Donau (30 Prozent).

Im Juni 2012 wurde schließlich das Hochwasserrückhaltebecken nach sechsjähriger Bauzeit in Betrieb genommen. Insgesamt bietet das HRB einen Stauraum von 4,7 Millionen Kubikmetern, und ist als Trockenbecken, also ohne Dauerstau, konzeptioniert. Es wird erst ab einem 5-jährlichen Hochwasserereignis eingestaut. Das Hochwasser-Rückhaltebecken reduziert den Abfluss der Breg bei einem HQ 100 von 176 m³/s um ca. 100 m³/s. Mit dieser Rückhaltung wird eine signifikante Senkung der Wasserspiegellagen der Donau bis Riedlingen erreicht. Der Staudamm hat eine Kronenlänge von 460 m und eine maximale Höhe von 18 m³.

Etwa in der Mitte des Damms befindet sich das Auslassbauwerk,  das von der Breg durchflossen wird. Das Auslassbauwerk ist in drei Stollen gegliedert. Der Abfluss wird mit Hilfe von drei Segmentschützen und bei Extremzuflüssen ggfs. zusätzlich durch zwei Fischbauchklappen gesteuert. Ein Stollen ist als „Ökostollen“ ausgebildet. Er gewährleistet die ökologische Durchgängigkeit durch Anlagerung von Sohlsubstrat und biologischen Leitstrukturen. Durch diesen „Ökostollen“ fließt im Normalfall (bei Mittel- und Niedrigwasser) das gesamte Bregwasser.

Die Herren des RP Freiburg erläuterten, dass ab einem Durchfluss von 45 m³ ein Voralarm die betroffenen Stellen in Bereitschaft holt, ab einem Durchfluss von 75 m³ wird das HRB in Betrieb genommen. Der Durchfluss von 75 m³ wird so lange gehalten, bis das HRB voll gestaut ist.

Während eines Einsatzes sind rund um die Uhr sechs Personen vor Ort, Rufbereitschaft besteht über das ganze Jahr. Innerhalb von einer Stunde ist gewährleistet, dass jemand vor Ort ist. Die Anlage läuft jedoch automatisch an.

Bis dato gab es zwei Einsätze. Ein Einsatz resultierte aus dem Probestau kurz vor Weihnachten 2012. Dort waren die Personen vier Tage vor Ort, was bis jetzt das Maximum darstellt.

Im Anschluss besichtigte die Gruppe das neue E-Werk des Mitglieds Zwick, welches sich genau im Einstaubereich des HRB befindet. Das alte Werk von Herrn Zwick befand sich in Dammnähe, er stellte den Antrag für den Bau eines neuen Werkes 1992. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch schon Planungen für das HRB. Als Entschädigung beteiligte sich das Land am Bau des Unterwasser- und Oberwasserkanals des neuen Werkes. Die Jahresleistung beträgt ca. 800.000 kWh bei einer installierten Leistung von 180 kW. Verbaut ist eine Kaplan Turbine mit Permanentmagnetgenerator der Firma Watec-Hydro. Jedoch beklagt Herr Zwick, dass er 70.000 kWh weniger Jahresleistung macht, da der Unterwasserbereich durch die Kiesaufschüttung im „Ökostollen“ des HRB zu hoch gestaut sei. Die Investitionskosten betrugen etwa 835.000€. Das Werk befindet sich derzeit noch im Probebetrieb.

Im Staufall des HRB muss Herr Zwick seine Anlage komplett abschalten – und mit dem Ausfall „leben“. Er wird rechtzeitig – bei einem Durchfluss von 45m³ - alarmiert, damit die „Schotten“  am Werk dicht gemacht werden können. Zur zusätzlichen Sicherheit kann von oben Luft in den Raum gepumpt und so das Wasser abgewehrt werden. Die Steuerung befindet sich daher auch außerhalb des Werksgebäudes auf Höhe der Landstraße.

Die Erfahrungswerte zeigen, dass beim 1. Einstau ca. 1 l Wasser ins Werksgebäude gedrungen sind, beim zweiten Einstau, hat das vom Hochwasser mitgeführte Material die Ritzen des Kraftwerks so weit abgedichtet, dass kein Wasser im Krafthaus war.

Der Fischpass besteht aus 32 Becken, welche einen maximalen Höhenunterschied von 12 bis 14 cm aufweisen. Hier wurden bereits Flussneunaugen und Groppen vorgefunden.

Als Restwassermenge muss Herr Zwick ca. 650l abgeben, was ca. ½ MNQ entspricht. Die Menge setzt sich zusammen aus Abgaben am Fischpass, am Einlauf- und am Auslaufbereich.

 

Um ca. 18.30 Uhr trafen sich noch etwa 20 Teilnehmer im Falken in Wolterdingen zum abschließenden Wasserkraftstammtisch ein.

Martin Renn erläuterte das neue Förderprogramm für kleine Wasserkraftanlagen des Landes Baden-Württemberg. Die AWK sieht die Förderung jedoch skeptisch und beklagt auch, dass sie nicht in den Entwicklungsprozess einer sinnvollen Fördermöglichkeit vom Umweltministerium eingebunden wurde. Zumal schon oft von Seiten der AWK vorgetragen wurde, die Vergütung für Kleinanlagen bis 100 kW auf 17 Cent anzuheben, da die Gestehungskosten bei Kleinanlagen massiv höher sind als bei Großanlagen.

An dieses ausführlich behandelte Thema schloss sich eine lebhafte Frage- und Diskussionsrunde an.

Bei Interesse an den Präsentationsunterlagen schicken Sie bitte ein kurzes Mail an marion.zitterell@reitter-wasserkraft.de.

Text + Bilder: Marion Zitterell

Zusätzliche Quellen:
Website: http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/95548/

Infobroschüre des RP Freiburg, Ref. 53.1 Gewässer erster Ordnung, 1. Auflage Juni 2012, „Hochwasserrückhaltebecken Wolterdingen“

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