In der Kulturlandschaft hat der Mensch seit vielen Jahrhunderten
zur Vermeidung von Hochwässern versucht, den Flüssen ihren eigenen Raum
zuzuweisen. Siedlungen entstanden entlang der Flüsse, da der Mensch sich
den Energieadern der Natur anschließen mußte. Mit dieser unumkehrbaren
Entwicklung tieften sich die Flüsse mehr und mehr ein. In der Folge
daraus sank das Grundwasser ab, Unterspülungen und Gefahren für die
Uferdämme entstanden. Eine Stabilisierung der Gewässersohle war daher
angezeigt. Mit Querbarrieren zum Fluß konnte die Eintiefung der
Gewässersohle gestoppt und der Grundwasserstand wieder gehoben werden.
Die mit diesen flußbaulich notwendigen Maßnahmen einhergehende
Wassergefällsunterschiede können in idealer Weise zur Stromerzeugung
genutzt werden.
Der Großteil der rd. 7.200 Wasserkraftwerke in Deutschland sind Ausleitungskraftwerke(1).
Bei ihnen wird das Flußwasser in einem Nebenarm (2) (z. B.Mühlbach)
des Hauptgewässers zu den Turbinen geleitet und später dem Unterlauf (3)
wieder zugeführt. Moderne, ökologisch ausgerichtete Wasserkraftwerke beachten
beispielsweise durch eine naturnahe Gestaltung der Uferbereiche (6) und
durch Fischpässe (7) dort wo es möglich ist die Belange der Natur.
Die Mühlbäche bilden, ähnlich wie die weitverzweigten Nebenarme in
der Urflußlandschaft, eine wertvolle Bereicherung der Flußsysteme. Im
Mutterbett soll eine für die dortige Flora und Fauna ausreichende
Wassermenge (4) verbleiben (z. B. 1/7 MNQ), die durch seitliche Zuflüsse
(5) ergänzt wird. In Flußkraftwerken (8) wird das Wasser auf eine
kurze Strecke über die Turbinen geleitet und unmittelbar danach dem Fluß
wieder zugeführt (9). Die Durchgängigkeit des Flusses wird, wenn es
möglich ist, mit Umgehungsgewässern (10) sinnvoll aufrecht erhalten.
Die flußaufwärts gelegenen Bereiche (11) geringerer
Fließgeschwindigkeit heben den Grundwasserstand und
ermöglichen vielfach eine wertvolle Revitalisierung der Auenlandschaft
(12).
Das Geschiebe wird durch Kiesschleusen (13) in den Unterlauf vertriftet
(14). Die im Bild dargestellten ökologisch orientierten
Wasserkraftnutzungen zeigen auf, wie negative Entwicklungen der
Vergangenheit (lineare Betonbauweisen etc.) verbessert werden können. Wasserkraft
intelligent und ökologisch einfühlsam genutzt, stellt daher ein Geschenk
der Natur dar, auf das der Mensch nicht verzichten soll.