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Pressemitteilung der
Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V.
Stuttgart, 7. Februar 2006
11:00 Uhr |
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Rund 17 Milliarden Kilowattstunden Elektrizität
pro Jahr. Der private Stromverbrauch in Baden-Württemberg kann innerhalb
der kommenden 15 Jahre komplett aus zusätzlich genutzter Wasserkraft in
Deutschland gewonnen werden. So das Ergebnis von Erhebungen der
"Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg eV"
(AWK). Vorraussetzung: Politischer Wille und weniger Bürokratie.
Blockaden der Behörden im Südwesten behindern derzeit
Milliarden-Investitionen im Wasserkraft-Bau.
Etwa 20 bis 25 Milliarden Kilowattstunden Elektrizität. Soviel Strom
erzeugen deutsche Wasserkraftwerke übers Jahr. Die
"Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg eV"
(AWK), der gut 700 Mitglieder aus Mühlen, Sägewerken, kleinen und
mittelständischen Wasserkraftanlagen und gemeindeeigenen
Energieversorgern angehören, geht davon aus, dass sich diese 25
Milliarden deutscher Jahresarbeit um 17 Milliarden Kilowattstunden
bundesweit steigern lassen. Zum Vergleich: Eine Privatperson benötigt
zwischen Waterkant und Watzmann im Schnitt rund 1.500 Kilowattstunden
Strom pro Jahr. Demnach braucht die baden-württembergische Bevölkerung
übers Jahr 15 Milliarden Kilowattstunden für ihre 10 Millionen
Einwohnerinnen und Einwohner. Zum weiteren Vergleich: Ein durchschnittlich
deutsches Atomkraftwerk gibt pro Jahr etwa 7-8 Milliarden Kilowattstunden
Strom ab.
In Baden-Württemberg selbst, wo pro Jahr schon heute 5 Milliarden
Kilowattstunden Elektrizität aus heimischen Wasserkraftanlagen stammen,
ließe sich diese Strommenge auf 10 Milliarden Kilowattstunden in etwa
verdoppeln. 55% dieses Steigerungspotentials erkennt die
"Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg eV"
(AWK) in 'kleinen' Anlagen (bis zu 500 Kilowatt Leistung), die
verbleibenden 45% in Groß-Wasserkraftwerken. Die prozentuale Stärke
liegt also bei den kleineren Betrieben. Sie erzeugen bereits jetzt 1/3 des
Wasserkraft-Stroms im Land. Liefern sie eine Kilowattstunde Elektrizität
ab, gerät bei deren Herstellung kein Gramm Kohlendioxid (CO 2) in die
Luft - im Gegensatz zu etwa 1 kg CO 2 aus Kohlekraftwerken.
Dass sich aus Wasserkraft im Südwesten weit mehr Elektrizität gewinnen lässt
als heute, wissen Fachleute schon seit über 15 Jahren. Hatte doch gegen
Ende der 80er Jahre die Universität Stuttgart im Auftrag von Lothar Späths
Landesregierung Energiepotentiale untersucht. Ergebnis der Wissenschaftler
(um Professor Voss): Rund 900 neue Wasserkraft-Nutzungsrechte sollten im
Land vergeben werden. Tatsächlich haben Späths Nachfolgeregierungen
(nach eigenen Angaben) seither aber nur rund 100 Wasserkraftwerke
genehmigt (wozu die amtliche Auflistung aber auch Weiter-Genehmigungen von
Altanlagen zählte). Dieses Ergebnis bezeichnet die
"Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg" (AWK)
als "Nasenwasser".
Wie wenig in den letzten 15 Jahren in Baden-Württemberg in Sachen kleiner
und mittelständischer Wasserkraft verwirklicht wurde, verrät ein Blick
auf geschichtliche Fakten. In alten Wasserrechts-Akten steht nämlich,
dass sich um 1900 in Baden und Württemberg etwa 4.500 Wassertriebwerke
befanden - im Gegensatz zu etwa 1.600 im Jahr 2003. Dabei nutzten die
alten Triebwerke teils schon im 19. Jahrhundert Wasserturbinen. Sie galten
als Triebfeder der Industrialisierung in Baden und Württemberg. (Noch
1895 stellte Wasserkraft mit 47% die größte Antriebsenergie für
Industrie und Gewerbe im Königreich Württemberg dar - teilte die IHK Ulm
mit.)
Bemühungen, Wasserkraft als heimische, bewährte und wirtschaftliche
Energie wieder stärker einzusetzen, unternahm der Mittelstand seit den
1970er/80er Jahren mannigfach. Ihm stellte sich ein Blockadeblock aus -
meist schlecht informierten - (Landes-) Behörden, unterstützt von der
Lobby großer Atom-Energieversorger und Angler-Funktionären samt Teilen
von Naturschutzverbänden entgegen.
Die deutsche Binnenfischerei zieht pro Jahr rund 45.000 Tonnen Fische aus
Bächen, Flüssen und Seen.
In Zeitungsanzeigen der "Deutschen Stromversorger" hieß es noch
1986 - kurz nach der Reaktorkatastrophe Tschernobyl - die Wasserkraft sei
in Deutschland ausgebaut "soweit es unsere Flüsse erlauben".
Nachdem diese Behauptung durch geschichtliche Forschungen gründlich
widerlegt worden war, verbreiteten Behörden, die für Naturschutz zuständig
sein sollen, Kleinwasserkraft schade Fischen. Mittlerweile läuft auch
diese durchschaubare Kampagne angesichts nachvollziehbar erhobener Fakten
zusehends ins Leere. Das geltende "Erneuerbare Energien Gesetz"
(EEG) berücksichtigt diese Tatsachen.
So entwickelten sich an Stauwehren von Wasserkraftanlagen sogar
Naturschutzgebiete (wie oberhalb Rechtenstein/Donau im Alb-Donau-Kreis).
Gerade in Zeiten zufrierender Bäche weisen offiziell geprüfte Gewässerökologen
darauf hin, dass die Tiefen der Stauanlagen von Wassertriebwerken Fischen
lebensrettende Rückzugsräume bieten. Energiefachleute des "Bund für
Umwelt- und Naturschutz Deutschlands" (BUND) messen der Wasserkraft
inzwischen hohe Steigerungspotentiale zu.
Diese Steigerungspotentiale lassen nicht nur mehr bewährten, heimischen,
klimafreundlichen und bei der Bevölkerung beliebten Strom aus Wasserkraft
erwarten, sondern auch mehr Arbeitsplätze - geschaffen im Umfeld mittelständischer
Strukturen der Kleinwasserkraft im Land. Zum Beispiel für die
Bauindustrie. Die "Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg
e.V." (AWK) geht davon aus, dass der Ausbau nutzbarer
Wasserkraftpotentiale in Baden-Württemberg rund 3.000 Stellen schaffen
und für die kommenden 15 Jahre sichern könnte.
Davon scheint das Umweltministerium Baden-Württemberg noch nichts wissen
zu wollen. Dort gelten offenbar noch überkommene Grundsätze. So fördert
die Landesregierung große Wasserkraft-Vorhaben (Rheinfelden) der EnBW,
blockiert aber kleinere und mittlere. Davon betroffen sind einerseits
viele private Unternehmen. Zum Beispiel Südstrom. Dessen Planungen im
Schwarzwald (Felsentäler Hof, Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) waren vom
Petitionsausschuss des Stuttgarter Landtags schon vor Ende der 1990er
Jahre begrüßt worden. Die amtliche Genehmigung dafür liegt dagegen bis
heute nicht vor.
Zum anderen leiden unter der regierungsamtlichen Verzögerungstaktik aber
auch kommunale Versorger wie die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm. Sie würden -
etwa durch Neubauten an der Iller bei Bellenberg und an der Donau bei Berg
nahe Ehingen - bis zu 30 Millionen Kilowattstunden Elektrizität mehr pro
Jahr aus Wasserkraft gewinnen - genug für rund 20.000 Privatpersonen. Um
große Teile dieser Vorhaben streiten die Stadtwerke seit über 10 Jahren
mit Landesbehörden Baden-Württembergs und Bayerns.
Anstatt jedoch derartige Verfahren endlich zur Genehmigung zu führen,
plant die Ministerialbürokratie des Umweltministeriums Stuttgart neue,
noch massivere Behinderungen der Wasserkraft. Sie will in bewährte
"Altrechte" (also zeitlich unbegrenzte Nutzungserlaubnisse, die
meist auf alten Rechtstiteln und Verleihungen beruhen) für bestehende
Wasserkraftanlagen entschädigungslos eingreifen. Damit entstünde im Land
Baden-Württemberg nicht nur erhebliche Rechtsunsicherheit - die etwa die
Kreditvergabe für Kleinwasserkraftwerke erheblich erschweren würde. Gefährdet
sieht die "Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V."
(AWK) durch das Rütteln an bewährten "Altrechten" auch das im
Grundgesetz geschützte Eigentumsrecht.
Von der Landesregierung von Baden-Württemberg erwartet die
"Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V."
(AWK) eine klare Kurskorrektur. Die mittelständisch strukturierte
Kleinwasserkraft im Land (sie liefert rund 1/3 des Stroms aus
Wasserkraftanlagen im Land) braucht weniger bürokratische Blockaden und
fordert ein unmissverständlich dargelegtes Ziel: Sicherung der
"Altrechte" und Genehmigung jener rund 1.000
Wasserkraft-Nutzungsrechte, die die Universität Stuttgart schon Ende der
80er Jahre der Regierung Lothar Späths empfahl. Vom amtierenden
Ministerpräsidenten erhofft sich die "Arbeitsgemeinschaft
Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V." in der Energiepolitik eine
Trendwende zugunsten von Wasserturbinen, also ein weniger bürokratisches
sondern mittelstandsfreundliches, Rechtssicherheiten bestätigendes
Regieren, das als "Oettingers ökologische Ökonomie" den vom
Roman Herzog angeratenen "Ruck" gerade zugunsten regenerativer
Energien lostritt. Also mehr erneuerbare Kräfte im Südwesten
- damit das Land mit seiner Energieversorgung nicht bald 'alt' aussieht.
Julian Aicher
Kraftwerk Rotismühle
Leutkirch-Rotis im Allgäu
Pressesprecher im Vorstand der
Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V.
Tel.: (0 75 61) 7 05 77
eMail: julian.aicher@t-online.de
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