Wasserkraft ist als Grundlastträger unverzichtbar!

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AWK HV 2004 Kail

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Die Potenziale der Wasserkraft müssen gesteigert werden.

 

Blick in den voll besetzten Rittersaal

Über 200 Teilnehmer fanden den Weg in den Rittersaal der Burg des Götz von Berlichingen, um in historischer Atmosphäre an der Jahreshauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg am 29. Oktober 2004 in Jagsthausen teilzunehmen.  

Der Vorsitzende Dipl.-Ing. Elmar Reitter eröffnete mit den Worten, dass die große Teilnahme ein Ausdruck für die erfolgreiche Verbandsarbeit sei.  

Der Bürgermeister Roland Halter sprach sich in seiner Begrüßung für einen weiteren Ausbau der Wasserkraft aus. 

In den anschließenden Regularien berichtete der Präsident Manfred Lüttke, dass massiver Gegenwind herrsche. Der Kampf mit der Fischerei eskaliere, obwohl die Wasserkraft nur beim Aal an den wenigen Tagen der Wanderung im Herbst relativ geringe Schäden verzeichne. Bei der Fischerei betrage dagegen die Mortalität 100 %. Fische seien wildlebende Tiere. Bei Wildschäden im Straßenverkehr werde dieser auch nicht untersagt. Der Vorsitzende Elmar Reitter stellte fest, dass die Novellierung des Wassergesetzes nicht das erbracht hatte, was wir uns vorstellten. Es gab zwar über den parlamentarischen Beirat Unterstützung, so dass die LAWA-Mindestwasser-Regelung in Baden-Württemberg keine Anwendung findet. Der neue Mindestwasserleitfaden ist inhaltlich an den bestehenden Erlass gekoppelt, es gibt nur redaktionelle Anpassungen, und an dessen Anhörung sind wir beteiligt.  Die Landesvorgabe zur Verdopplung der erneuerbaren Energien wird nur dann erreicht, wenn die Wasserkraft in allen Potenzialen genutzt wird. Die Auflagen müssten auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Elmar Reitter betonte, dass der Bundesverband einen großen Einsatz bezüglich der Novellierung des EEG geleistet hat und dankte besonders Dr. Veit Welsch, Anton Zeller und Manfred Lüttke. Trotz aller Widrigkeiten sei viel erreicht worden,  so dass ein gutes Fundament für die weitere Arbeit bestehe. Der Geschäftsführer Richard Kail betonte, dass gerade die mittleren und kleinen Anlagen mit 2,8 Mrd. kWh Jahrsarbeit den größten Anteil am gesamten, zusätzlich nutzbaren Wasserkraftpotenzial von 5 Mrd. kWh ausmachen. Unsere Aktivitäten seien darauf gerichtet, diese Nutzung zu ermöglichen und damit einen weiteren wichtigen Beitrag in der Grundlastversorgung mit regenerativer Energie zu erreichen. In den bestehenden Anlagen gelte es, die Mitglieder zu begleiten, damit diese gute Rahmenbedingungen vorfinden.  

Steuerberater Dipl.-Kfm. Karl Heinz Römer stellte die Haushalte 2002, 2003 und den Haushaltsentwurf 2004 vor. Der anwesende Wirtschaftsprüfer Dr. Horst Guckert las sein Testat vor. Die aus der Mitgliederversammlung beantragte Entlastung wurde ohne Gegenstimme erteilt.  

Präsident Manfred Lüttke wurde ohne Gegenstimme auf 4 Jahre wiedergewählt. Einzeln wurde Elmar Reitter als 1. Vorsitzender und Karl Heinz Römer als stellv. Vorsitzender wieder für 4 Jahre einstimmig in das Amt gewählt. Die Vorstandsmitglieder Julian Aicher, Walter Fuchs, Richard Kail, Reinhard-Georg Koch, Harald Kromer und Petra Ziegler wurden ohne Gegenstimme ebenfalls für 4 Jahre in den Vorstand wiederberufen. Roland Endreß stellte sich erstmalig zur Wahl als Vorstandsmitglied und wurde ohne Gegenstimme gewählt. Alle Berufenen nahmen die Wahl an.  

Die in Form und Inhalt unveränderte Satzung wurde auf Anforderung des Registergerichts insgesamt zur Abstimmung gestellt und wurde mit einer Gegenstimme ohne Enthaltung bestätigt.  

Zum Abschluss der Regularien folgten Grußworte vom Ehrenvorsitzenden des Sächsischen Schwesterverbandes der Wasserkraftwerksbetreiber Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V. Hans Rolle.  

Die Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann Scheer (SPD) und Christian Freiherr von Stetten (CDU) ließen sich wegen Abstimmung im Bundestag entschuldigen. Dr. Scheer ließ in einem Grußwort wissen, dass der Widerstand gegen die Wasserkraft unverantwortlich sei.  

Der neue Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) eröffnete die Vortragsveranstaltung. Er ging in seinen Worten direkt auf Manfred Lüttke als 100.000 Volt-Mann ein und betonte, dass er durch sein neues Amt zwar die Arbeit im parlamentarischen Beirat an seinen Vorgänger Dr. Walter Döring abgebe, nicht aber die Begeisterung für die Wasserkraft. Der Wasserkraft müsse in Baden-Württemberg eine Chance gegeben werden. Insofern sei 2004 ein wichtiges Jahr, denn die Zukunft kann in diesem Bundesland nicht auf die Wasserkraft verzichten. So habe die Stauhaltung positive Auswirkungen für den Grundwasserspiegel. Die Wasserkraftnutzung ist auch Bereicherung der Landschaft. Es sei festzustellen, dass positive Aspekte in der Öffentlichkeit vernachlässigt werden. Das Produkt Wasserkraftstrom habe einen Markenwert. Erneuerbare Energien spielten in Baden-Württemberg eine noch zu geringe Rolle und die Verdoppelung als Ziel der Landesregierung sei noch nicht erreicht. Wer aber in großem Umfang regenerative Energie nutzen will, könne nicht auf die wichtigste Energie, die Wasserkraft verzichten. Die topografischen Verhältnisse, gerade im Südschwarzwald, schreien nach Nutzung. Die Ausbaupotenziale sind in Baden-Württemberg groß, betonte der Wirtschaftsminister. Ausbau, aber auch Neubau auf der anderen Seite müsse gehen, unabhängig von der Leistungsgröße. 

Er wolle den Start als Wirtschaftsminister dazu nutzen, in Zukunft eine Moderatorenrolle für das Zusammenfügen der Argumente zu übernehmen. Die AWK habe in den vergangenen Jahren viel Arbeit für die Wasserkraft geleistet. Dabei seien 5 vorgelegte Beispielfälle zu prüfen. Diese Fälle wolle er aufgreifen und voranbringen. Der Minister stellte zum Schluss fest: „Ich werde auch in Zukunft ein Mitstreiter für die Wasserkraft sein.“  

Manfred Lüttke und Elmar Reitter dankten für die eindeutigen Aussagen.  

MdL Franz Wieser (CDU) leitete sein Referat mit der Bemerkung ein, „dass der Wirtschaftsminister Ernst Pfister ein 20jähriges Trainingsprogramm i.S. Wasserkraft im Beirat hinter sich habe“. Man dürfe sich nicht auseinander dividieren lassen. Die große und die kleine Wasserkraft sind in der Zielrichtung. Wir müssen den steinigen Weg gehen, wir brauchen Entscheidungen, ließ Franz Wieser wissen. Ein Wasserkrafterlass brauche 3 Unterschriften, ein Wasserkrafterlass ist ein Schlüsselerlass. Das Lachsprogramm sei von den Rheinanliegerstaaten unterschrieben. Ein Gespräch mit Landwirtschaftsminister Stächele folge. Bisher habe man in Baden Württemberg oder anderen Ländern nicht den Nachweis für den selbstreproduzierenden Lachs erbracht. Franz Wieser führte anschließend seinen Nachfolger, MdL Karl Wilhelm Röhm, als Vorsitzender des Parlamentarischen Beirates ein.  

Manfred Lüttke überreicht dem langjährigen 
Beiratsvorsitzenden Franz Wieser MdL CDU 
die goldene Verdienstmedaille des BDW

Präsident Manfred Lüttke dankte und bat, uns weiter im Parlament zu begleiten. Anschließend verlieh Manfred Lüttke dem scheidenden Vorsitzenden des Beirates, Franz Wieser, die Goldene Verdienstmedaille des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke in Würdigung der besonderen Verdienste für die Wasserkraft.  

MdL Dr. Walter Döring (FDP) ließ in seinen einführenden Worten erkennen, dass die Auseinandersetzung um die Wasserkraft diese zu einem Thema gemacht hat. Es gehe um die Umsetzung, denn die Betreiber von Wasserkraftwerken klagen über massive Behinderung. In seiner neuen Funktion als Mitglied des Parlamentarischen Beirates werde er sich darum kümmern. Er werde sich daran messen lassen. Wenn schon keine Fördergelder, dann sollen sie die bestmöglichen Rahmenbedingungen haben. Die Erbschaftssteuerlast müsse bei der Wasserkraft weg. Fischhäckselei in Zusammenhang mit Wasserkraft sei eine bösartige Unterstellung. Nicht mehr als Häuptling, aber als Indianer ist er gerne an der Seite der Wasserkraftwerksbetreiber.  

MdL Thomas Knapp (SPD) ließ wissen, seine Bitte an Ernst Pfister und Dr. Walter Döring sei, dass diese Reden für die Presse freigegeben werden. Erneuerbare Energien sind nicht gegeneinander auszuspielen, jede Medaille hat 2 Seiten. Man solle gemeinsam für die kleine und die große Wasserkraft kämpfen. Wasserkraft bedeute Grundlastfähigkeit in der Energieversorgung mit 4.500 – 7.000 Volllaststunden. Das EEG sei wichtig für den Ausbau. Es reiche nicht zu sagen, wir brauchen die große und die kleine Wasserkraft, wir müssen etwas dafür tun. Wir werfen Ihnen keine Prügel zwischen die Beine.  

MdL Dr. Walter Witzel (Die Grünen) eröffnete sein Referat mit den Worten, dass in Zukunft 50 % - 60 % der konventionellen Kraftwerksleistung im Abbau stehen. Wir brauchen auch deshalb erneuerbare Energien und darum sage er die Unterstützung der Grünen zu. Geld für die Förderung ist nicht drin, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Das EEG sei in seiner novellierten Form nicht zufriedenstellend, es ist ein Kompromiss. Wir brauchen die kleine und die große Wasserkraft. Das Gutachten von Prof. Dr. W. Ripl sei wichtig. Die ökologischen und elektrischen Potenziale der Wasserkraft müssen gehoben werden.  

Alle Abgeordneten würdigten die umfangreiche Tätigkeit und die Erfolge unseres Wasserkraftverbands als wichtige Arbeit im Sinne des öffentlichen Wohls, weil nur mit der verstärkten Nutzung der Wasserkraft als wichtigste erneuerbare Energie die Ziele der Landesregierung zum Klimaschutz errecht werden können. Vor allem Präsident Manfred Lüttke wurde als jahrzehntelanger Vorkämpfer für die Wasserkraft gewürdigt, als Motor des Verbands, Initiator vieler erfolgreicher Gesetzesinitiativen und unbeirrbarer Kämpfer gegen monopolen, politischen und behördlichen Machtmissbrauch. Manfred Lüttke hat sich durch diese Erfolge nicht nur bei den Wasserkraftlern, sondern auch in Politik und Wirtschaft unseres Landes, einen hervorragenden Namen für die Belange der Mittelständler im allgemeinen, und für die „Regenerativen“ im besonderen geschaffen.  

Manfred Lüttke dankte den einzelnen Beiratsmitgliedern und betonte, dass wir in Baden-Württemberg nur deshalb weiter als in anderen Bundesländern sind, weil wir diesen Beirat haben.  

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke e. V., Dipl.-Kfm. Karl Heinz Römer, sprach seinen Dank an Geschäftsführer Dr. Veit Welsch aus, für die hervorragende Arbeit. Der Bundesverband sei unverzichtbar, um die Dinge über die Länderebene hinaus durchzusetzen. Bei Gesprächen mit politischen Beiräten in Berlin musste man in der Woche manchmal mehrfach in Berlin sein. So sei der erste Referentenentwurf des EEG niederschmetternd gewesen, denn die Wasserkraft bis 500 kW sollte hier von der gesetzlichen Vergütung ausgeklammert werden. Man habe die Dinge verbessert. Das Wasserkraftartikelgesetz sei ein weiterer Ansatz, hier sind wir auf gutem Wege. Karl Heinz Römer dankte für das Vertrauen.  

Dr. Veit Welsch als Geschäftsführer des Bundesverbandes sprach seinen Dank an Manfred  Lüttke, Elmar Reitter und Richard Kail aus. Er überbrachte beste Grüße von den Ehrenpräsidenten des BDW, Dipl.-Ing. Matthias Engelsberger und Dipl.-Ing. Anton Zeller sowie von MdB Dr. Peter Ramsauer. Jeder, der sehe, was mit dem Ölpreis geschieht, der müsse stärker für die regenerativen Energien kämpfen. Dr. Welsch unterstrich, dass wir keinen besseren Fischkenner als Manfred Lüttke haben, man bekäme immer fundierte Antworten von ihm. Im Umweltbundesamt würde die große Wasserkraft zu Lasten der kleinen Wasserkraft ausgespielt.  

Manfred Lüttke brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das Gespann Römer/Welsch noch so lange tätig wäre, wie er lebe.  

Julian Aicher berichtete als Pressesprecher von verschiedenen Aktionen.  

Anschließend fand das gemeinsame Mittagessen im Rittersaal statt.  

Prof. Dr. W. Ripl vom Systeminstitut Aqua-Terra e. V. Berlin referierte zum Thema „Studie zur ökologischen Bewertung von kleinen Wasserkraftanlagen“. Er betonte, dass man die Natur als Struktur nicht schützen kann. Die Prozesse können nur durch den Eingriff des Menschen in ihrer Funktion erhalten bleiben. Aus Drittländern importieren wir, um hier Tiere zu füttern. Dies kann nicht aufrechterhalten werden. Wir sind an die Grenzen des Wachstums gestoßen, wir sind auf dem Weg, die Natur auszupowern, wie es die Römer und die Karthager gemacht haben und Wüste produzierten. Ein Umdenken sei notwendig. Die Verdunstung ist zu maximieren, die Versickerung zu minimieren, der Grundwasserspiegel zu erhalten. Wir vernichten mit unserer Flächenbewirtschaftung in einem Jahrhundert das, wofür eine ganze Eiszeit benötigt wurde. Der lokale Wasserkreislauf muss geschlossen werden, was mit den heutigen Vorgaben nicht gelingen kann. Die kleine Wasserkraft ist der Favorit. Wir halten Wasser zurück, steigern die Verdunstung. Der Mensch muss als Bewirtschafter der Natur die Fehlleistungen kompensieren. Der Wasserhaushalt ist die höchste Terminologie, die er kenne.

Wir müssen der Natur helfen, den Wasserhaushalt zu verbessern. Die Urwälder haben 3000 Jahre gebraucht, bis sie funktionierten. Nordafrika war die Kornkammer vom alten Rom, heute ist dies eine „blühende Wüste“, die manche Naturschützer schützen wollen. Die Politik ist zu feige, den Schwerverkehr einzudämmen. Dieser kosten 75 Mrd. € p. a., mehr als die EU für die Landwirtschaft aufwende. Immer wenn wir die Verdunstung steigern, wie bei der kleinen Wasserkraft, tun wir etwas Richtiges. Die dezentrale Basisversorgung stehe im Mittelpunkt gesellschaftlicher Notwendigkeit. Man schütze Strukturen, wo man nicht einmal weiß, was sie wert sind. Naturgewässer gibt es in der Bundesrepublik nicht.  

Der Präsident der AWK, Manfred Lüttke, referierte zur Wiedereinführung des Atlantischen Lachses, Realistische Erfüllung eines Traumes oder nur ein teurer Fischzirkus?
In umfangreichen Untersuchungen an Murg, Lauter und der Rench sowie auch im Rhein sei nur Schlamm auf dem Grund festzustellen. Wo soll da der Lachs laichen? Straßensand, Überläufe der Kläranlagen, Erosionen durch drainierte Berghänge im Rahmen des Wegebaus bringen tonnenweise eine Verlegung des Kiessubstrates. Hier kann nicht einmal die Forelle laichen. Es sei schon äußerst schwierig und aufwendig, verloren gegangene Laichhabitate für unsere heimischen Kieslaicher wie Bachforellen und Äschen wiederherzustellen.
Aufsteigende Lachse kommen oft aus Gehegen in Schottland und Irland, wo diese ausgerückt sind. Das Lachsprogramm ist ein Phantom ohne seriösen Hintergrund. Es sei unseriös, hierfür Millionen zu verschwenden. Denn es werde den selbstreproduzierende Lachs nicht mehr geben. Genau sowenig wie der Bär und das Wisent, denn dann müsse man den Menschen vertreiben.

Anschließend fuhr man mit den Bussen zur modernisierten Wasserkraftanlage des Mitgliedes, der Fa. Arnold Umformtechnik (Würth-Gruppe) in Ernstbach am Kocher mit 240 kW Leistung. Die mit 2 Francis-Turbinen ausgestattete Wasserkraftanlage stieß auf das rege Interesse der Tagungsteilnehmer.

Mit der Rückankunft gegen 17.00 Uhr an der Götzenburg war die Tagung beendet. 

Richard Kail
 

 

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