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Untersucht aus dem alpinen Raum: "Berger Bach",
linksseitiger Zufluss der Drau, aus dem Kreuzeckmassiv in Südkärnten
Der Bach hat wie nahezu alle alpinen Bäche einen Schuttkegel ins
Haupttal vorgeschoben, auf dem das Dorf "Berg" 50 bis 80
m über der Talaue am Berghang errichtet wurde.
Im Gebirgstal oberhalb des Dorfes wurde die Schleppkraft des Baches zur
Rückhaltung des Geschiebes und zur Brechung der Hochwasserenergie wie bei
den meisten alpinen Bächen durch den Einbau mehrerer Wildwasserverbauungen
– ausgebildet als Wehrabstürze – in Höhe von 5 bis 6 m gemindert
(Bild 1).

Bild 1 Wildwasserverbauung zu Beginn der Bachschlucht oberhalb des
Dorfes Berg
Ab dem Eintritt in den Dorfbereich ist das Bachbett auf eine Länge von
ca. 1000 m bis zur Einmündung in die Drau in 25 bis 30 cm hohe jeweils
2,5 bis 3 m lange durch Holz und Granitsteine befestigte Schwellen
ausgebildet (Bild 2).

Bild 2 Durch Schwellen ausgebautes Bachbett zwischen Drau und erstem
Wildwasserwehr. Da kaum Ruheplätze eingebaut wurden ist ein Aufstieg nur
sehr schwer und nur bei günstigen Abflüssen möglich
Es handelt sich um ein typisches Bachforellengewässer. Ein
künstlicher Besatz des Gewässers findet nicht statt. Der
Fischereirechtsinhaber richtet sein Augenmerk ausschließlich auf die Drau,
einem 50 bis 60 m breiten Äschen-, Nasen- und Huchengewässer mit starker
Gletscherschluffeintrübung in den Sommermonaten (Bild 3).

Bild 3 Die Drau, eingetrübt durch Gletscher- und Regenabflüsse
Die Drau wird regelmäßig besetzt und von den Hotelgästen des
Fischereirechtsinhabers auch rege befischt, wohingegen der Bergbach auch
wegen der schwierigen Befischung keine Beachtung findet. Der "Berger
Bach" liegt in einer schluchtartigen Einkerbung und ist nur sehr
schwierig zu begehen. Um an den Bach zu gelangen müssen die jeweiligen
Wildwasserwehre überstiegen werden. Auch sind die Fische naturgemäß
viel kleiner als in der Drau. Der Bach wird deshalb fast nie befischt.
Wäre die Längsdurchgängigkeit Voraussetzung für die Entwicklung und
Erhaltung eines Fischbestandes, dann dürfte es in diesem Bergbach keine
Bachforellen geben, da diese über die ca. 320 ausgebauten Stufen von der
Drau herauf nur in Ausnahmefällen hochwandern, über die 5 bis 6 m
hohe Wildwasserwehre aber niemals aufsteigen können.

Bild 4 Viertel Wildwasserwehr flussaufwärts. Der Wasserabfluss erfolgt
über eine ehemalige Triebwasserableitung.
Die Realität sieht aber völlig anders aus. Gerade in hohen
Querbauwerke der Wildwasserverbauungen bieten hervorragenden Lebensraum
und Unterstandsmöglichkeiten.
Bereits beim ersten Wurf mit der Angel stürzt sich eine Bachforelle
unterhalb der ersten Wildwasserverbauung auf den Köder (Bild 5).

Bild 5 Die Auskolkung unter dem Wildwasserwehr bietet der sofort auf
den Köder gegangenen Forelle hervorragenden Schutz und Lebensraum
Wer nun aber glaubt, nach der ersten 6 m hohen Querverbauung gäbe es
oberhalb im Bach keine Forellen mehr, irrt sich. Im Gegenteil, auch
zwischen den im Abstand von einigen hundert Metern angeordneten
Absturzbauwerken der Wildbachverbauung ist jeder im Bachbett geeignete
Standort von einer Forelle besetzt. Wieder hat eine Bachforelle sich
ungestüm auf den Köder der Angel gestürzt (Bild 6).

Bild 6 Schöne Bachforelle aus einer ausgeschwemmten Vertiefung
oberhalb des Wildwasserwehres
Die Anzahl der Fische wird allein von der Anzahl geeigneter
Unterstände bestimmt, wobei die jeweiligen Abstürze der
Wildwasserverbauungen zu den besten Standplätzen gehören. Und wieder hat
eine hungrige Bachforelle zugebissen (Bild 7).

Bild 7 In jeder geeigneten Vertiefung des Bergbaches auch hinter den
folgenden Wildwasserwehren lauern Forellen auf anschwimmende Beute
Auch nach der 5. für Forellen unüberwindbaren Wildwasserverbauung
leben immer noch in jedem geeigneten Gumpen prächtige Forellen. (Bild 8)

Bild 8 Auch nach dem für Fische unüberwindbaren Wehrabsturz leben
immer noch prächtige Bachforellen, diese halten sich seit Urzeiten
autochthon.
Erst dort, wo es wegen des immer steiler werdenden Bachverlaufes keine
Unterstandsmöglichkeiten mehr gibt, wird auch der Fischbestand dünner.
Alle bei der Untersuchung gefangenen Fische wurden anschließend schonend
zurückgesetzt.
Beispiel 2.
Angerbach in den Karnischen Alpen vom Plöckenpass – Südkärnten –
zur Gail verlaufend. Der Angerbach verläuft durch eine nahezu
unzugängliche Schlucht und stürzt sich über einen Wasserfall in den
grünen Valentinsee. (Bild 9)

Bild 9 Der Wasserfall ist ca. 30 m hoch und kann nur von oben nach
unten, niemals aber von unten nach oben durchwandert werden.
Wegen fehlender Durchgängigkeit dürfte es daher im Angerbach keine
Forellen geben. Tatsächlich aber sind die Angerbach Schluchtforellen wegen
ihrer Größe von bis zu 60 cm Länge und ihrem Gewicht von bis zu 1,5 kg,
aber auch wegen ihrer Kampfkraft besonders berühmt, eine Schautafel am
Ufer des Valentinsees weist auf diesen Tatbestand besonders hin. (Bild10)

Bild 10 Bis zu 60 cm lang und 1,5 kg schwer werden die kampfstarken
Forellen aus dem Angerbach
Obwohl die Fische nur flussabwärts über den Wasserfall, aber niemals
mehr aufwärts wandern können, wird dadurch die Entwicklung und die
Aufrechterhaltung des natürlichen Fischbestandes in keiner Weise
gemindert.
Zusammenfassend:
Die Querbauwerke und Wehre der Wildwasserverbauung reduzieren das
Fließgefälle, schaffen damit zusätzliche Unterstände und
Rückzugsgebiete der Fische bei Hochwasser und vergrößern die
Habitate und den Lebensraum.
Würde man diese Schutzverbauungen entfernen, dann würde sich der
Lebensraum der Forellen reduzieren, gleichzeitig würde der erhöhte
Geschiebetrieb bei Hochwasser den abgelegten Laich vernichten. Der Bach
wäre nicht mehr besiedelbar und damit fischleer.
Längsdurchgängigkeit spielt keine Rolle und ist auch nicht
erforderlich. Gebirgsflüsse waren nie durchgängig und brauchen keine
Durchgängigkeit.
Hierüber ist sich zwischenzeitlich auch die unabhängige Wissenschaft
weitgehend einig, österreichische Fischereiwissenschaftler fordern
zwischenzeitlich zum Schutze der alt eingesessenen Forellenarten in den
Kalkalpen des Nationalparks Oberösterreich bestehende Querbarrieren zu
erhöhen, um die Zuwanderung unterwünschter Arten – Regenbogenforellen,
Zuchtforellen usw. – zu verhindern.
Deutliches kann die Abfuhr der zu unrecht zum Götzen erhobenen
Forderung nach Längsdurchgängigkeit auch durch die offizielle
Wissenschaft nicht mehr artikuliert werden,
DPA-Meldung Süddeutsche Zeitung Juli 2000
ZOOLOGIE / Neue Forellenart in Österreich
Wertvolle Erbgut-Ressource aus der Donau
Österreichische Wissenschaftler haben in den Bächen des Nationalparks
Kalkalpen/Oberösterreich eine bisher unbekannte Forellenart entdeckt. Das
berichtet das Hamburger Magazin "National Geographic
Deutschland". Die Forelle erhielt den Namen "Salmo trutta forma
fario Da25". Sie stamme aus der Donau und habe sich noch nicht mit
den Zuchtforellen vermischt, heißt es in dem Bericht weiter. Damit sei
sie eine Wertvolle Gen-Ressource.
Viele ausgesetzte Zuchtforellen seien nicht gut an ihre Umgebung
angepasst und damit extrem anfällig für Krankheiten und Parasiten,
berichtet das Magazin. Die neu entdeckte Unterart sei zwar selten, aber
wesentlich robuster. In Zukunft solle deshalb versucht werden, die
Fortpflanzung dieser Fische intensiv zu fördern und ihren Lebensraum
auszuweiten. Dazu solle beispielsweise die Erhöhung natürlicher
Barrieren im Wasser der eingeschleppten Regenbogenforelle den Weg
bachaufwärts versperren.
Weitere Literatur:
- Ökologisches Gutachten zum geplanten Wasserkraftwerk
Felsentälerhof unter besonderer Berücksichtigung der Fischfaune,
Weisser & Ness 1995
- Nicht Längsdurchgängigkeit, sondern Seitenaufstieg tut Not,
Manfred Lüttke 1998
- Fische sind keine Kulturflüchter, Wehrbauwerke und Ufermauern
fördern regelmässig den Fischbestand, Manfred Lüttke 1998
- Strukturierte Ausleitungsstrecken mit wenig Restwasser können
gleichwertige, oft sogar bessere Fischhabitate als Vollwasserstrecken
bieten, Manfred Lüttke + Johannes Prinz 2001
- LAWA-Vorgaben zur Mindestwasserbestimmung sind fischfeindlich und
gewässerökologisch nicht begründbar
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