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29.03.2004
Elmar Reitter
Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg
e.V. |
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- Wie viele kleine Wasserkraftwerke gibt es in Baden-Württemberg?
Wir gehen von ca. 1650 Kleinwasserkraftwerken in
Baden-Württemberg aus.
Davon werden etwa 1100 Wasserkraftwerke durch unseren Verband
repräsentiert (ca. 820 Mitglieder mit teilw. mehreren
Wasserkraftwerken)
- Wie viele Beschäftigte arbeiten dort?
Bewärterung, Betrieb, Verwaltung aller ca.
1.650 Wasserkraftwerke und Strom-Mühlen ca. 3.000 Arbeitsplätze incl.
Betreiberfamilien und -gesellschaften
- Wie viele selbstständige Unternehmen gibt es im Bereich der kleinen
Wasserkraftwerke?
- Fast alle Kleinkraftwerksbetreiber sind in der Rechtsform als
selbstständige Unternehmen geführt (schon aus steuerrechtlichen
Gründen). Von unseren 820 Mitgliedern besitzen 30 Mitglieder keine
eigene Wasserkraftanlage, 70 Mitglieder sind der Industrie zuzuordnen.
Die restlichen 620 Mitglieder können dem Mittelstand zugerechnet
werden. Sie betreiben Wasserkraftwerke, Mühlen, Sägewerke und
energieintensive Kleinbetriebe. Zum Teil sind es aber auch
Eigenstromerzeugende Kommunen.
- Im Bereich der Hersteller- und Zuliefererbetriebe sind in
Baden-Württemberg ebenfalls viele Arbeitsplätze von der
Wasserkraftnutzung abhängig. Dies aber nicht allein von der
Wasserkraftnutzung in Baden-Württemberg oder Deutschland, sondern
immer mehr von der internationalen Entwicklung (Export in viele
Länder der Dritten Welt).
- Maschinenbau: Voith, Escher-Wyss, Volk AG, Stellba, Wiegert &
Bähr, Hydrowatt, Hänßler, sowie ca. 25 – 30 Mittelständler im
Bereich Fertigung und Ausrüstung, insgesamt ca. 1.000
Arbeitsplätze (Voith und Escher-Wyss je ca. 400)
- Elektroindustrie, Generatorenbau, Schaltanlagen, Trafos,
Automatisierung, Hochspannungstechnik etc. insgesamt ca. 300
- Bauindustrie (Neubau, Sanierung, Wasserbau etc.) ca. 300
Zahl der Ausbildungsplätze in BW?
Zum Betreiben von Kleinwasserkraftanlagen
gibt es direkt keinen Lehrberuf. Da aber die meisten Betreiber
gleichzeitig ein mittelständisches Unternehmen leiten, sind dort schon
Ausbildungsplätze vorhanden. Die Anzahl ist hier unbekannt.
Ebenso gibt es ein Potential bei den unter 3b aufgeführten Hersteller-
und Zuliefererbetrieben, das von uns aber ebenfalls nicht angegeben
werden kann.
Wertschöpfung/Umsatz in BW
Der reine Umsatz aus der Stromerzeugung,
also aus dem Betrieb der Wasserkraftwerke bis 5 MW Leistung,
zur Selbstversorgung oder zur Rücklieferung ins öffentliche Netz,
errechnet sich bei einem Mischpreis von ca. 7,2 Cent/kWh
(näherungsweise Mittel zwischen EEG-Einspeisepreis > und < 500 KW
Leistung) und einer Jahresarbeit von 1.485 GWh zu 107 Millionen €/Jahr
Der Umsatz der Hersteller- und Zuliefererbetriebe in Baden-Württemberg
ist nicht bekannt, könnte aber näherungsweise aus der Zahl der oben
angegebenen Arbeitsplätze von insgesamt ca. 1.600, multipliziert mit
einem Umsatz je Arbeitsplatz von 150.000.-€, auf 240 Millionen €
hochgerechnet werden.
Anteil der kleinen Wasserkraft am Gesamtenergieaufkommen / an dem
Aufkommen der regenerativen Energien in BW?
Anteil Kleinwasserkraft bis 5 MW (nach EEG) in BW
Quellen:
neueste AWK-Erhebungen
Studie "Wasserkraft in
Baden-Württemberg" des Wirtschaftsministeriums Jan. 1991
Energieberichte des Wirtschaftsministeriums in
Baden-Württemberg
1. Erhebung Kleinwasserkraft im Rahmen des EEG (bis
5 MW)
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Organisation |
Mitglieder |
Anlagen |
Leistung MW |
Jahresarbeit GWh |
|
Arb.gem. WKW BW |
800 Mittelständler |
1100 |
120 |
650 |
|
EVU + Stadt- + Gemeindewerke |
NAG, EnBW, SWU, UJAG, KWR
etc. |
100 |
130 |
750 |
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Sonstige |
weitere private Betreiber |
450 |
15 |
85 |
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Gesamt |
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1650 |
265 |
1485 |
2. Gesamterzeugung Wasserkraft
Der gesamte Anteil der
Wasserkraft liegt in Baden-Württemberg durchschnittlich bei
5.000 GWh.
Die Kleinwasserkraft hat also einen Anteil an der Erzeugung von
ca. 30%, also nahezu 1/3
3. Stromverbrauch in Baden-Württemberg:
Der Stromverbrauch in Baden-Württemberg liegt
durchschnittlich bei 50.000 bis 55.000 GWh (ohne Pumpstrom, Kraftwerkseigenverbrauch und Verluste)
4. Anteile des Wasserkraftstroms in
Baden-Württemberg am Gesamtverbrauch:
Der Anteil der Wasserkraft am
Gesamtverbrauch liegt in BW also durchschnittlich bei 9 %-10 %.
Der Anteil der Kleinwasserkraft am Gesamtverbrauch liegt
durchschnittlich bei 2,7 % bis 3 %
7. Zusatzerhebung: Neubaupotentiale, deren
energiewirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Nutzen für
Baden-Württemberg:
Nach unserer Auffassung
kann das Ziel der Landesregierung zur Verdoppelung der regenerativen
Energien nur erreicht werden, wenn auch die kleine Wasserkraft, welche
wir bis zur Leistung von 5 MW definieren, wesentlich stärker in das
Konzept eingebunden wird. Es ist inzwischen bei den bedeutenden
Umweltverbänden anerkannt, dass dem Klimaschutz Vorrang vor dem
Naturschutz eingeräumt wird. Denn der beste Naturschutz nützt nichts,
wenn das Weltklima mittelfristig alles großflächig zerstört. Und zum
Klimaschutz kann die Wasserkraft wesentlich beitragen, da deren
"Erntefaktor" und Umweltverträglichkeit alle anderen
Energieerzeugungen um ein vielfaches übertrifft.
Der Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung in Baden-Württemberg
liegt, wie oben bereits dargelegt, mit jährlich knapp 5 Milliarden kWh
bei 9–10 %. Das Institut für Wasserbau der Universität Karlsruhe hat
im Auftrage der Landesregierung bereits 1986 ermittelt, dass dieser
Anteil selbst bei Beachtung ökologischer Gesichtspunkte ohne weiteres
verdoppelt werden kann. Das Linienpotential ist um ein vielfaches
größer.
Nachstehend wird kurz dargelegt, dass in Baden-Württemberg
genügend Wasserkraftpotentiale brachliegen, welche bei einer weniger
parteiischen Abwägung im Genehmigungsverfahren ohne weiteres ausgebaut
werden könnten. Einbezogen werden müssen natürlich sowohl die
kleinen, die mittleren, und auch die großen Potentiale, wobei die
kleinen und mittleren Potentiale den Löwenanteil erbringen werden. Das
ist aber nur mit klaren verbindlichen politischen Vorgaben zu schaffen.
Nach unseren Berechnungen lassen sich ohne weiteres im Land realisieren:
- Potentiale Kleinanlagen
| 1000 Anlagen á 150 kW
Ausbauleistung mit1 Mio. kWh Jahresarbeit |
= 1,0Mrd. kWh |
- Potentiale Mittlere Anlagen
| 300 Anlagen á 1000 kW
Ausbauleistung mit 6 Mio. KWh Jahresarbeit |
= 1,8 Mrd. kWh |
| Summe 1. + 2.
jährlich |
= 2,8 Mrd. kWh |
Im gesamten Bereich sind viele Variationen mit kleineren, aber auch mit
größeren Leistungen möglich, so dass die Anzahl der Anlagen nicht
absolut ist. Auf das Kavernenkraftwerk Wehratal mit 5.000 kW
Ausbauleistung wird verwiesen. Dieses Potential erschließt der
Mittelstand gerne, wenn die Landesregierung die Voraussetzungen schafft,
dass Wasserkraftwerke wieder genehmigt werden.
- Potentiale Großkraftwerke am Rhein
| Standort
Hochrhein (Bereich Kaiserstuhl) in den 60 er Jahren
geplant und wieder aufgegeben |
600
Mio. kWh Jahresarbeit |
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| Neuburgweier |
600
Mio. kWh Jahresarbeit |
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| Folgestufe
nach Neuburgweier |
600
Mio. kWh Jahresarbeit |
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| Zwischensumme |
1800
Mio. kWh Jahresarbeit |
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| Mehrerzeugung
durch Rheinfelden neu |
400
Mio. kWh Jahresarbeit |
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| Summe 3 |
2200
Mio. kWh Jahresarbeit |
=2,2 Mrd. kWh |
| Mehrerzeugung
in Baden-Württemberg aus Wasserkraft jährlich mind. |
|
= 5,0 Mrd.
kWh |
- Investitionsvolumen:
Die Mehrerzeugung von 5 Mrd.
kWh/a entspricht bei durchschnittlich 5.300 Volllaststunden/Jahr einem
Potential von knapp 950.000 KW bzw. 950 MW installierter Leistung..
Bei mittleren spezifischen Ausbaukosten von 7.000.-€/KW (Mittel
zwischen Groß- und Kleinkraftwerken) entspräche der Ausbau dieser
Leistung einem Investitionsvolumen von 6,65 Milliarden €
Wird der Ausbau verteilt auf 15 Jahre, entspricht dies einer jährlichen
Investition von
510 Millionen €
- Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze:
Bei einem angenommenen Umsatz
je Arbeitsplatz von 150.000.-€ entspricht die Investitionssumme von
510.000.000.-€/Jahr der Schaffung von 3.400 neuen Arbeitsplätzen,
gesichert für mindestens 15 Jahre
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