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Immer schneller und
steiler ansteigende Hochwasserspitzen – Das Hochwasser beginnt in den
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Forstwirtschaft als Hauptverursacher?
An den Hängen der Mittelgebirge wie auch im alpinen Raum wurde in den letzten Jahrzehnten ein immer dichteres Wegenetz, oft terrassenförmig übereinander liegend angelegt, um auf diese Weise mit Großmaschinen - auch Vollernter genannt - möglichst alle Bereiche des Bergwaldes erreichen zu können.
Der Wegebau im Berghang schneidet den Hang an und öffnet die feuchtigkeitsspeichernden und wasserführenden Humusschichten, die sich in Jahrhunderten auf dem Boden des Bergwaldes gebildet haben.
Je steiler der Berghang, desto tiefer erfolgt der Geländeeinschnitt. Die Wegterrassen wirken wie eine Drainage und saugen das Wasser und die Feuchtigkeit sowohl aus der Humus- wie auch aus der darunter liegenden Erd-, Geröll- und Gesteinsschicht.
Das so aus dem Hang „herausdrainierte“ Wasser wird auf der Bergseite des Wirtschaftsweges in kleinen Gräben bis zur nächsten Mulde oder Senkrechtrinne entlanggeführt, und dann durch einen Schleuderbetondurchlass geradewegs, meist wie mit dem Lineal gezogen, in künstlichen oder natürlichen Rinnen bergabwärts zum Vorfluter – also zum Bach – geleitet.
Fungierten bewaldete Berghänge jahrhundertlang zuverlässig als Wasserspeicher zur Bremsung der Hochwasserabflüsse und zur Bewässerung der Bergbäche in Trockenzeiten, so wird diesen Berghängen mit dem Einbau eines Wegenetzes und der dadurch bedingten Drainage die Fähigkeit zur Wasserrückhaltung weitestgehend entzogen.
Die Stürme, bei denen in den letzten Jahren ganze Berghänge „kahl gemacht“ wurden, habend diese Tendenz noch verstärkt.
Konnte das abfließende Wasser früher tage-, ja wochenlang zurückgehalten und dann langsam abgegeben werden, so fließt jetzt Regen und Schmelzwasser ungebremst nahezu vollständig ab. Schon wenige Stunden nach Einsetzen eines Starkregens bauen sich gewaltige Hochwasserabflüsse auf, die dann im Ufer- und Siedlungsbereich schwere Schäden verursachen.
Diese Hochwasserspitze erreichte im Nordschwarzwald (Obere Murg) im Winterhalbjahr 2001/2002 Spitzen, die die Mittelwasserführung um das 100- bis 200-fache und mehr überschritten.
Diese durch den Wald- und Kulturbau künstlich hochgetriebenen Abflussspitzen bedrohen nicht nur die Uferbauwerke und den menschlichen Siedlungsbereich.
Vielmehr werden durch diese Abflüsse auch in gewaltigen Mengen Sand, Geröll und Kies in die Flussbette transportiert.
Besonders tückisch sind die Sandeinschwemmungen. Diese verfüllen den Bachuntergrund und vernichten den im Kiessubstrat des Baches abgelegten Laich der Salmoniden.
Die Eier der kieslaichenden Bachforellen ersticken im Schwemmsand. Eventuell bereits geschlüpfte Brütlinge werden vom Sedimenttransport erdrückt oder herausgeschwemmt und fortgerissen.
Die durchgeführten Untersuchungen an der Oberen Murg und ihren Zuflüssen im Frühjahr 2002 führten zu dem traurigen Ergebnis, dass trotz mehrerer elektrischer Abfischungen im gesamten System der Hauptgewässer kein Brütling aus der letzten Laichsaison gefunden oder nachgewiesen werden konnte.
Dieses Problem betrifft im Übrigen nicht nur die Mittelgebirge. Auch im alpinen Raum sind die gleichen Erscheinungen zu beklagen.
So hat man sich vor einigen Jahren schon darüber gewundert, dass in einem bayerischen Voralpengewässer trotz ansonsten guter Gewässer- und Nahrungsverhältnisse die Anzahl der Äschen von Jahr zu Jahr zurückging.
Eine Untersuchung des Staatlichen Institutes Weihenstephan hat dann ergeben, dass die Ursache für den Rückgang der Fischbestände durch die von Jahr zu Jahr immer stärker auftretende Versandung herrührte. Der Sand wurde dort im untersuchten Gewässer bei jedem Starkregen durch kleine Seitenbäche – ausgehend aus Wegebau und Drainage – in das Hauptgewässer eingeschwemmt mit der verheerenden Folge, dass dadurch der abgelegte Äschenlaich durch die Verfüllung des Kieslückensystems im Sand erstickte.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat durch sein Ministerium ein Gemeinsames Hochwasserschutzprogramm von Bund und Ländern kreiert, um der Wiederholung von Hochwasserkatastrophen – wie in diesem Sommer aufgetreten – vorzubeugen.
Bemerkenswerterweise aber ist in diesem Programm nirgends davon die Rede, dass die ursprüngliche Wasserrückhaltefähigkeit der Berghänge und Wälder zur Reduzierung der Hochwasserabflüsse wieder hergestellt werden muss.
Stattdessen wir die irrige Auffassung vertreten, Staustufen von Wasserkraftwerken würden die Ökologie beeinträchtigen und Hochwasserereignisse verschärfen.
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Staustufen mildern die Hochwasserspitzen und vermindern die Sohlenerosion.
Holzwirtschaft wird vor allem im Staatsforst betrieben.
Beim Bau eines Wasserkraftwerkes wird immer wieder klargestellt, dass die ökologischen Belange eine höhere Gewichtung als wirtschaftliche Belange des Antragstellers haben.
Auch im staatlichen Forstbetrieb muss künftighin Hochwasser-, Gewässer- und Fischereischutz eine stärkere Gewichtung gegenüber dem reinen wirtschaftlichen Denken des Holzumtriebes erhalten, wobei an dieser Stelle darauf hinzuweisen ist, dass die immer schneller ansteigenden Hochwasserspitzen in erster Linie Ausfluss von Umgestaltungseingriffen des Staates, des Landes, der jeweiligen Körperschaften und der Kommunen sind.
Diese Zusammenhänge blieben aber leider in dem Maßnahmenkatalog des Bundes zur Bekämpfung von Hochwasser bis jetzt vollständig unberücksichtigt.
Die Wasserkraftnutzung hingegen aber hat mit der Entstehung von Hochwasserereignissen und deren Folgen überhaupt nichts zu tun.
Zusammenfassend:
Die Drainage der Berghänge durch den Wegebau reduziert die Speicherungsfähigkeit der auf dem Fels aufliegenden Humusschicht beschleunigt die Hochwasserspitzen. Ungeahnte Mengen von Sand werden in die Bergbäche geschwemmt, wodurch das Brutgeschäft der Forellen erfolglos bleibt, weil die Eier entweder im Sand ersticken oder einfach weg geschwemmt werden.
Gleichzeitig verliert der Bergwald seine ursprüngliche Standfestigkeit durch Feuchtigkeitsentzug, die Bäume werden auch bei weniger starken Stürmen abgeknickt oder samt Wurzeln aus dem trockenen Hangboden herausgerissen.
Abhilfe: Der Bau von Hangwegen ist zu reduzieren, nicht mehr benötigte Wege sind zurück zu bauen.
Dort, wo die Wege erhalten bleiben müssen, darf das Wasser nicht mehr in Sturzbächen in den Talbach geleitet werden, vielmehr sind Maßnahmen zu treffen, die die Drainagewirkung reduzieren und unvermeidlich austretendes Wasser aufhalten und möglichst im unmittelbaren Austrittsbereich wieder zur Versickerung bringen.
Derartige Maßnahmen verursachen natürlich einige Mehrkosten, reduzieren aber die Hochwasserabflüsse und geben dem Bergwald wieder einen Teil seiner ursprünglichen Speicherungsfähigkeit
zurück, helfen den Fischen sich wieder erfolgreich vermehren zu können und nutzen auch dem Forst,
weil weniger Sturmschäden eintreten und die Holzqualität der Bergwälder verbessert wird.
Ansichten von 2 drainierten Berghängen aus dem Murg- und Acher-
Einzugsbereich:

Der Orkan Lothar hat die Hänge frei gefegt und lässt die großräumige, Hochwasser beschleunigende Drainage der Berghänge durch den Wegebau erkennen.
Drei übereinander liegende Wege schneiden den Hang im Rotmurgtal – Nordschwarzwald – an, der ursprünglich funktionierende Feuchtigkeitsspeicher der Humusschicht wird auf diese Weise weitgehend aufgehoben, da die terrassenförmig angelegten Waldwege als besonders gute Drainage funktionieren. Regen und Schmelzwasser wird nahezu ungebremst mit nur noch geringer Zeitverzögerung abgeleitet.

Berghang im Zuflussbereich der Acher – Nordschwarzwald
Auch auf diesem Bild ist erkennbar, dass der Hang mit 3 Wirtschaftswegen drainiert wird. Diese Drainage entzieht dem früher ständig feuchten Berghang die Fähigkeit, auch in Trockenzeiten Wasser zu speichern, die Folge: Mit dem Verlust an Feuchtigkeit verliert der Boden des Berghanges seine Festigkeit, da ein großer Teil des feinen Wurzelwerkes, das unter Feuchtigkeit alles zusammenhält, austrocknet, erschlafft und abstirbt. Die ohnehin nur flach wurzelnden Nadelbäume erhalten nicht mehr die benötigte Menge an Feuchtigkeit, meistens werden die Bäume krank oder „schwächeln“, bei einem starken Sturm werden die geschwächten Bäume samt Wurzelwerk umgekippt oder brechen im Stamm ab.
Schematische Darstellung eines bewaldeten Berghanges
– durch Forstwege drainiert:
(zum Vergrößern bitte anklicken)

Manfred Lüttke und Johannes
Prinz
November 2002
- überarbeitet Juni 2003 -
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